
Weingut Nelles, Ahr
Das erste urkundliche Lebenszeichen des Weinguts Nelles datiert auf 1479. Damals zahlte ein Peter Nelis einen ungewöhnlich hohen Zinssatz für einen Weingarten an die Herren der Burg Landskrone. Seitdem hat die Familie genau einen Besitzerwechsel erlebt: keinen. Das Weingut in Heimersheim, am unteren Ahrtal zwischen Schiefer und Grauwacke gelegen, wird heute von Thomas Nelles und seinem Sohn Philip geführt. Philip Nelles war 2015 Deutschlands bester Jungwinzer laut Handelsblatt. Seit 1994 sind sie Gründungsmitglied des VDP-Ahr. Ihre Philosophie: kontrolliertes Nichtstun. Nicht als Faulheit, sondern als Überzeugung, dass natürliche Mineralität und feine Eleganz durch Eingriff eher verloren als gewonnen werden. Die Rebfläche umfasst 8,5 Hektar, 65 Prozent davon Spätburgunder, verteilt auf die VDP Großen Lagen Schieferlay, Burggarten, Landskrone und Sonnenberg. Ihr 1997er Spätburgunder B-52 aus der Landskrone wurde im Jahr 2000 als bester deutscher Rotwein ausgezeichnet. 2022 eröffneten sie eine neue Vinothek. Die Weine sind das, was man aus dem Ahrtal erwartet, wenn man weiß, was Ahrtal bedeutet: mineral, schlank, kühl, geduldig.
Weingut Maximin Grünhaus, Mosel
Erste Erwähnung: 966 nach Christus, als Kaiser Otto I. den Besitz bestätigte, den König Dagobert zuvor den Benediktinern des Klosters St. Maximin in Trier geschenkt hatte. Das Weingut gehört seit dem 19. Jahrhundert der Familie von Schubert. Es liegt am Ruwer, einem kleinen Nebenfluss der Mosel, auf drei zusammenhängenden, monopolisierten Weinbergen: Bruderberg, Herrenberg und Abtsberg. Die Namen wurden einst von den Mönchen nach einer Art Hierarchie vergeben: der Abtsberg war den Äbten vorbehalten, was seinen Ruf bis heute erklärt. Steile Südhänge mit bis zu 70 Prozent Neigung, blauer Devonschiefer, Riesling als Hauptsorte über Generationen. 2007 entschied Dr. Carl von Schubert, Pinot Noir im Abtsberg zu pflanzen, ein Hektar Dijon-Klone 777 und 828, auf einem der steilsten Abschnitte. 2008 folgte eine weitere Parzelle. 2010 der erste Jahrgang. 2024 beschloss der VDP Mosel-Saar-Ruwer, dass der 2022er das erste Pinot Noir GG der gesamten Mosel werden darf. Das Weingut wird heute von Carl und Maximin von Schubert gemeinsam geführt, zusammen mit Amelie von Schubert, was die nächste Generation bereits sichtbar im Haus platziert.
Weingut Rudolf May, Franken
Rudolf May, Retzstadt, 17,5 Hektar, erste Generation. Wer die Nüchternheit dieser Angaben mit Mittelmäßigkeit verwechselt, irrt erheblich. May gründete das Weingut 2014, baute es auf einer Philosophie auf, die in Franken ungewöhnlich ist: zwei Sorten, mehr nicht. 80 Prozent Silvaner, 20 Prozent Spätburgunder. Alle Weinberge sind auf Muschelkalk, alle Weine sind biologisch, zertifiziert durch Naturland und EU-Bio, mit Fair’n Green-Auszeichnung ergänzt. May ist außerdem Slow-Food-Mitglied. Das Weingut wurde 2020 für den Falstaff-Winzer des Jahres nominiert. Die VDP Großen Lagen Himmelspfad in Retzstadt und Rothlauf in Thüngersheim stehen für Silvaner; der Retzbacher Benediktusberg als VDP Erste Lage für den Spätburgunder. Der Zuckerspiegel liegt in fast allen Weinen unter zwei Gramm pro Liter. Das ist keine Diät, das ist Überzeugung. Sohn Benedikt May arbeitet bereits mit, der Name des Benediktsbergs und der Vorname des Sohns sind kein Zufall, aber auch kein Plan, sondern ein Wink der Geschichte, den die Familie mit Humor trägt.
Weingut Graf Neipperg, Württemberg
Über 750 Jahre Weinbau an gleicher Stelle, rund um die Stammburg der Grafen Neipperg aus dem 12. Jahrhundert in Schwaigern. Die Rebfläche umfasst über 30 Hektar in Toplagen wie dem Neipperger Schlossberg und der Schwaigerner Ruthe. Das Weingut ist Mitglied im VDP, erhält vier Trauben beim Gault Millau, wird von Falstaff regelmäßig mit 95 bis 96-Punkte-Bewertungen bedacht. Philipp Erbgraf zu Neipperg führt das Gut gemeinsam mit Karl Eugen Graf von Neipperg. Die Paradesorte des Hauses ist der Lemberger, den die Familie nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Österreich mitbrachte, wo er Blaufränkisch heißt. Beim Spätburgunder zeigen die Schlossberg-Weine, was kalkhaltige Böden und südseitige Exposition aus der Sorte herausholen können: strukturiert, komplex, burgundisch kühl trotz württembergischer Wärme. Die Weine aus dem Reifekeller, also ältere Jahrgänge, die das Gut zu fairen Preisen nachliefert, sind im deutschen Weinhandel eine Besonderheit, die von Insidern seit Jahren genutzt und von allen anderen noch zu entdecken ist.
Weingut A. Christmann, Pfalz
Steffen Christmann ist der Mann, der von 2007 bis 2022 dem VDP als Präsident vorstand. Sophie Christmann, seine Tochter, ist die achte Generation, die das Weingut in Gimmeldingen an der Pfälzer Mittelhaardt führt. Acht Generationen sind das Fundament; was darauf steht, ist eigene Entscheidung. 2021 beschlossen sie, das Weingut zu verkleinern statt zu vergrößern, entgegen jedem betriebswirtschaftlichen Reflex. Seitdem sind alle 20,4 Hektar entweder als VDP.Erste Lage oder als VDP.Große Lage klassifiziert. Das Portfolio: 70 Prozent Riesling, 25 Prozent Spätburgunder, Rest Grauburgunder und Muskateller. Bewirtschaftung biodynamisch, zertifiziert durch respekt-BIODYN, EU-Bio und La Renaissance des Appellations. Die Böden reichen von Buntsandstein über Terrassenschotter bis zu Kalkmergel und Kalkstein, alles auf knapp fünf Kilometer Haardtrand konzentriert. Sophie Christmanns Entscheidung, die Weißburgundetreben im Biengarten zu roden und den gesamten Weinberg auf Spätburgunder umzustellen, ist der präziseste Satz, den man über ihren Arbeitsstil schreiben kann: Sie sieht, was ein Weinberg kann, bevor der Weinberg es selbst weiß.
Dank der SCHULMBERGER-GRUPPE ist dieses Projekt möglich. Vielen lieben Dank

