
2020 SL Spätburgunder Schieferlay GG — Weingut Nelles, Ahr
Die Schieferlay liegt in Bad Neuenahr, steigt mit einer Neigung von rund 45 Prozent an, sitzt auf 160 Metern Meereshöhe und besteht aus Grauwackenschiefer, Gehängelehm und Lößlehm. Das klingt nach Geologie-Vorlesung, ist aber in Wirklichkeit eine Biografie. Dieser Schiefer speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts zurück, was die Rebe mit langer, gleichmäßiger Reife vergütet. Die Trauben für den 2020er wurden handselektiert, von Pinotklonen mit besonders kleinen Beeren, auf der Maische vergoren und danach über ein Jahr in kleinen Barriquefässern ausgebaut. Was im Glas landet, ist dunkles Kirschrot mit einem Bouquet aus Schwarzkirsche, Waldbeere und feiner roter Wildfrucht, dazu Röstnoten vom Holz, ein Hauch Tabak und eine Mineralität, die man nur vom Schiefer bekommt, nicht vom Labor. Am Gaumen: Druck, Drive, betörende Frische, saftig und lang. 14 Prozent Alkohol, die man nicht spürt, weil die Struktur trägt. Trinkbar jetzt. Besser in drei Jahren.
2022 Abtsberg Pinot Noir GG — Weingut Maximin Grünhaus, Mosel
Dieser Wein ist eine historische Premiere. Der 2022 Abtsberg Pinot Noir GG ist der erste Spätburgunder, den der VDP Mosel-Saar-Ruwer jemals mit dem Großen Gewächs ausgezeichnet hat. Carl von Schubert pflanzte 2007 einen Hektar Pinot Noir, Dijon-Klone 777 und 828, auf einem der steilsten Abschnitte des Abtsbergs, einem der berühmtesten Riesling-Weinberge Europas mit bis zu 70 Prozent Hangneigung und blauem Devonschiefer. 2008 folgte eine weitere halbe Hektar-Parzelle im Herrenberg. Die erste Cuvée lief 2010 aus dem Keller, und es dauerte zwölf Jahre und mehrere überzeugende Jahrgänge, bis der VDP den Schritt zur GG-Klassifizierung vollzog. Der 2022er, ausgebaut 18 bis 20 Monate in gebrauchten französischen Barriques, zeigt rote Rübe, feuchte Erde, kandierte Orange und Backgewürze in der Nase, am Gaumen Schwarzkirsche, dunkle Pflaume, eine Tanninstruktur von samtig-filigraner Präzision und einen Abgang, der so lang ist, dass man kurz vergisst, auf welcher Seite des Flusses man steht. Trinkreif ab 2028, Reifepotenzial bis 2036 nach vorliegenden Einschätzungen. 13 Prozent Alkohol.
2021 Spätburgunder Benediktusberg — Rudolf May, Franken
Rudolf May aus Retzstadt ist Quereinsteiger im historisch besten Sinne. Erste Generation, keine ererbte Betriebsstruktur, also freie Hand. Er hat die freie Hand genutzt, um sein Portfolio auf zwei Sorten zu beschränken: 80 Prozent Silvaner, 20 Prozent Spätburgunder. Der Retzbacher Benediktusberg ist als VDP.Erste Lage klassifiziert und liegt im Maintal unterhalb markanter Felsbänke auf Muschelkalk mit eingelagerten Kieselsteinen. Neben Spätburgunder wachsen dort auch Silvaner und Chardonnay. Der 2021er Spätburgunder aus dieser Lage zeigt feine Kirschnoten, eine kühle, fast transparente Fruchtigkeit und eine Säure, die man vom Muschelkalk bekommt: präzise, richtungsgebend, kein Gram zu viel. Naturland-zertifiziert, biologisch bewirtschaftet, Zuckergehalt meistens unter zwei Gramm pro Liter. Peter Keller vergab dem 2020er dieser Lage in der NZZ Bellevue 18,5 von 20 Punkten und nannte ihn einen genialen Spätburgunder. Beim 2021er ist dieser Ruf weitergewachsen. Ein Wein, der nicht laut redet und trotzdem gehört wird.
2022 Schlossberg Spätburgunder *** GG — Weingut Graf Neipperg, Württemberg
Schwaigern, Württemberg, Neipperger Schlossberg: steile, südexponierte Hänge auf kalkhaltigen Böden, von der Familie Neipperg seit über 750 Jahren bewirtschaftet. Die VDP-Klassifikation der Lage als Große Lage ist keine Höflichkeit, sondern Konsequenz. Der 2022er wurde in Handarbeit maischevergoren und danach 16 bis 18 Monate in neuen und gebrauchten Barriquefässern ausgebaut. Im Glas: eine duftige, lebhafte Komposition aus Herzkirsche, Himbeere und Erdbeere mit subtilen Kräuternoten von Rosmarin und Pinie, einem Hauch Vanille und zarten Tabak- und Raucharomen. Am Gaumen elegant, abgerundete Tannine, eine frische, lang anhaltende Säurestruktur, der Abgang bemerkenswert lang. Falstaff bewertet die besten Jahrgänge dieser Lage regelmäßig mit 95 bis 96 Punkten, darunter auch neuere Jahrgänge des Schlossbergs. Das Drei-Sterne-Prädikat auf dem Etikett ist der interne Qualitätsvermerk des Weinguts für ihre besten Abfüllungen. 13,5 Prozent Alkohol.
2021 Gimmeldinger Biengarten Spätburgunder — Weingut A. Christmann, Pfalz
Der Name Biengarten kommt vom Bienenstand, den Imker dort seit Jahrhunderten betreiben. Die Lage liegt auf steilen Terrassen und malerischen Hängen des Haardtgebirges zwischen Gimmeldingen und Königsbach, ostsüdöstlich ausgerichtet, durch eine leichte Mulde vor kalten Winden geschützt. Unter den Reben: massiver Kalkstein mit Lehm und Ton, karg und kühl, mit einer Höhenlage, die dem Wein Frische schenkt, auch wenn die Pfalz tagsüber wärmer wird als manche Rebe es gerne hätte. Die Reben wurden 1982 gepflanzt, stehen auf alten deutschen Klonen und sind das Ergebnis einer Entscheidung, die Sophie Christmann traf: Die Weißburgundetreben, die dort ebenfalls wuchsen, wurden gerodet. Ab jetzt: nur noch Pinot. Der 2021er wird spontan vergoren, mit rund 30 Prozent Ganztraubenanteil, im Barrique mit niedrigem Neuholzanteil. Das Ergebnis ist ein Wein mit wilden Erdbeeren, Sauerkirsche, Brombeere und Holunderbeere unter einem dunklen, floralen Schleier, Nelke, Pfeffer, Wacholder, Waldboden und Kreide darunter, salzig-frisch am Gaumen, vollmundig, mit fest strukturierter Mineralität im Abgang. Lobenbergs vergab 93 Punkte. VINUM schrieb: „Ist das noch deutsch oder schon burgundisch?“ Beide Antworten stimmen.
Interessaant wie man Spätburgunder in Kalifornien interpretiert. Im Sonoma hat man einzigartige Bedingungen dafür und in diesem DEEP DIVE hörst Du warum:
Die oben beschriebenen Weine wurden von diesen Produzenten und von der Schlumberger-Gruppe zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank dafür:

