GRUNDLAGENARBEIT FÜR DIE DIVA – NICHT MARCO NATÜRLICH

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Wenn der Spätburgunder ein Mensch wäre, würde er beim Einzug in ein neues Zuhause einen Bodengutachter mitbringen. Er wäre der Mieter, der den Untergrund begutachtet, bevor er die Möbel reinholt. Und er hätte, wie sich zeigt, in dieser Hinsicht vollkommen recht.

Die Lieblingsunterlage des Spätburgunders ist Kalkstein. Konkret: kalkhaltiger Ton- oder Mergelkalk, gut durchlüftet, mit ausreichend Wasser haltender Kapazität, aber nie nass. Schwere, lehmige Böden mit Staunässe produzieren allenfalls Weine bescheidener Qualität. Saure Böden tun dem Spätburgunder nicht gut. Das Burgund selbst zeigt, warum die Rechnung aufgeht: Die Côte d’Or besteht aus Kalkstein-Schichten, die sich während des Jura aufgebaut haben, mit einer dünnen Humusauflage darüber. Die Rebe muss kämpfen, muss tief wurzeln, muss sich durch das Gestein arbeiten. Der Stress produziert Konzentration. Die Konzentration produziert Charakter.

In Deutschland zeigt sich dasselbe Prinzip auf anderen Bühnen. An der Ahr arbeiten die besten Lagen mit Grauwacke und Schiefer, Böden, die Wärme speichern, schnell abtrocknen und gleichzeitig die Wurzel in die Tiefe zwingen. Weingut Meyer-Näkel im Walporzheimer Kräuterberg bezieht seine Spannung genau aus diesem Zusammenspiel von Vulkangestein und kühlem Mikroklima. In Baden, auf dem Kaiserstuhl, sind es Löss und Vulkantuffe, die dem Spätburgunder eine andere Körperfülle geben: mehr Reife, mehr Dichte, weniger Nervosität. Julian Huber in Malterdingen zeigt, was Kalkverwitterungsböden kombiniert mit warmem Klima aus der Sorte herausholen können: Weine von ungewöhnlicher Substanz ohne Schwere. In der Pfalz arbeiten Knipser und andere mit Rotliegend, einem roten Sandstein mit vulkanischem Ursprung, der druckvolle Rotweine mit kühler Mineralität möglich macht.

Was alle guten Lagen gemeinsam haben: Sie sind geneigt, gut drainiert, arm genug, um die Rebe zu limitieren, und reich genug an Mineralien, um dem Wein Komplexität zu geben. Der Spätburgunder braucht keinen üppigen Boden. Er braucht einen anspruchsvollen. Das ist, bei Licht betrachtet, auch keine Diva. Das ist Selbstkenntnis.

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Bei einem anderen DEEP DIVE ging es um PortWein – lass dich begeistern:

Und richtig besondere Vertreter durften wir während dieser Episode verkosten. Leicht gereift in perfekten Konditionen und zu perfekten Konditionen beim Bremer Weinkolleg.

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