
Bei Thomas Bergk könnte man leicht beim Wein hängen bleiben. Das wäre naheliegend. Sommelier, Gastgeber, Weinkarte, Deutschland und Frankreich. Alles richtig. Und trotzdem wäre damit das Interessanteste über ihn noch nicht gesagt.
Mich interessiert bei Menschen aus der Gastronomie irgendwann eine andere Frage: Was bleibt übrig, wenn die Weinkarte geschlossen ist und der letzte Teller aus der Küche kommt?
Bei Thomas Bergk offenbar einiges.
Er gehört zu den Menschen, die in Düsseldorf gastronomisch nicht erst seit gestern unterwegs sind. Seine vielen Jahre als Gastgeber und Sommelier, unter anderem im Weinhaus Tante Anna, haben Spuren hinterlassen. Dort ist er seit März 2019 wieder als Gastgeber dokumentiert; Fachmedien beschreiben ihn als versierten Restaurantleiter und Sommelier, besonders bei deutschen Weinen. Auch in der Sommelier-Union ist er als Regionalsprecher für Köln/Düsseldorf aufgeführt.
Das klingt zunächst nach Lebenslauf. Ist es aber eigentlich nicht.
Denn Erfahrung in der Gastronomie zeigt sich selten darin, dass jemand besonders viele Jahreszahlen kennt. Man erkennt sie eher daran, wie jemand über Menschen spricht. Über Gäste. Über Kollegen. Über Köche. Über die kleinen Veränderungen, die eine Branche über die Jahre durchmacht. Und natürlich über Wein, bei dem Thomas Bergk schon deshalb genauer hinschaut, weil man sich als Sommelier irgendwann angewöhnt, nicht nur ins Glas zu sehen.
Heute ist er Restaurantleiter und Sommelier im SCHORN by Lukas Schild in Düsseldorf-Bilk. Das Haus selbst trägt eine Geschichte mit sich, die weit über einen aktuellen Küchenstil hinausreicht. Unter dem verstorbenen Patron Franz-Josef Schorn gehörte es zu den bekannten und beliebten Adressen der Stadt. Lukas Schild führt diese Geschichte weiter und setzt dabei auf eine behutsame Modernisierung. Thomas Bergk ist inzwischen ein wichtiger Teil dieses neuen Kapitels. Der Feinschmecker beschreibt ihn als Gastgeber, der für eine entspannte Atmosphäre und kompetente Weinberatung sorgt.
Was ich an solchen Menschen spannend finde: Sie müssen niemandem mehr beweisen, dass sie Ahnung haben.
Thomas Bergk wirkt in den verfügbaren Beschreibungen genau deshalb interessant. Kompetenz wird bei ihm nicht als Vortragsform verkauft. Gäste beschreiben seine Art als ungezwungen und kompetent, Fachmedien sehen ihn als jemanden, der in der kulinarischen Szene an Rhein und Ruhr längst bekannt ist.
Und dann ist da diese gewisse Freiheit, die man sich mit Erfahrung erarbeitet. Eine eigene Meinung zu haben. Dinge beim Namen zu nennen. Auch einmal zu sagen, wenn einem etwas nicht gefällt. Und im nächsten Moment vermutlich wieder ganz entspannt über einen Wein zu sprechen, als wäre die Welt deswegen nicht untergegangen.
Genau darüber möchte ich mit Thomas Bergk sprechen.
Über eine Gastronomie, die sich verändert hat. Über Gastgeber, die man nicht so schnell vergisst. Über Wein, Menschen und die Frage, was ein gutes Restaurant eigentlich zusammenhält. Das Schorn ist dafür ein ziemlich passender Ort: ein Haus mit Vergangenheit, einem neuen gastronomischen Kapitel und einem Gastgeber, der selbst schon einiges gesehen hat.
Du wirst in der Podcastfolge deshalb vermutlich weniger eine klassische Erfolgsgeschichte hören.
Eher einen Menschen, der lange genug dabei ist, um sich von der Gastronomie nichts mehr vormachen zu lassen – und gleichzeitig neugierig genug geblieben ist, weiter hinzuschauen.
Und genau deshalb lohnt es sich, Thomas Bergk zuzuhören.
Ich jedenfalls hatte nach dem Gespräch nicht das Gefühl, jetzt alles über ihn zu wissen.
Eher das Gegenteil.
Und das ist meistens ein ziemlich gutes Zeichen.
Ein riesengroßes Dankeschön an unsere Partner, die Schlumberger-Gruppe, mit den Handelhäusern:

und für private Weingenießer, das Bremer Weinkolleg

