DREI WEINGÜTER ALS SPIEGEL

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Drei Weingüter, ein Land, drei völlig verschiedene Geschichten

Teliani Valley

Es gibt Weingüter, die man sich vorstellt, bevor man sie kennt – und dann meistens falsch. Bei Teliani Valley war es bei mir genau andersrum. Ich hatte keine Erwartung, und dann kam diese Geschichte: gegründet in den Neunzigern, von ein paar jungen Winzern, angeblich in einer umgebauten Autowerkstatt. Eine Weinkellerei, die als Garage anfing. Das ist nicht die Art von Ursprungsgeschichte, die man sich ausdenkt, um gut zu klingen. Das ist eine, die einfach so passiert ist.

Was mich an Teliani Valley bis heute beeindruckt, ist diese Mischung aus Aufbruch und Respekt. Sie sitzen mitten in Kakheti, dem historischen Herzstück des georgischen Weinbaus, und hätten es sich leicht machen können – einfach das machen, was seit Jahrhunderten gemacht wird, unverändert. Stattdessen haben sie ein Team aus jungen, experimentierfreudigen Winzern aufgebaut, die alte, fast vergessene einheimische Rebsorten wieder ausgraben, im Wortsinn fast, und ihnen eine zweite Chance geben. Das ist kein Betrieb, der Tradition konserviert wie ein Museum. Das ist einer, der sie am Leben hält, indem er sie ständig neu befragt.

Und gleichzeitig – das ist vielleicht das eigentlich Bemerkenswerte – haben sie nie den Bezug zur Erde verloren. Die besten Lagen, kleine Mikrozonen wie Kisiskhevi, werden mit einer Sorgfalt bearbeitet, die man eher bei einem Familienbetrieb erwarten würde als bei einem Haus dieser Größenordnung. Handlese, Selektion ganzer Trauben, Fermentation in unterirdischen Qvevri, bei streng limitierten Mengen. Man merkt: Hier wird nicht auf Masse gedacht, sondern auf Herkunft.

Chona’s Marani

Wenn Teliani Valley eine Erfolgsgeschichte des Aufbruchs ist, dann ist Chona’s Marani das komplette Gegenteil – und genau deshalb so wichtig für dieses Land. Kein Unternehmen, kein Investment, kein Konzept. Eine Familie. Die Chonishvilis, im kleinen Dorf Kurdgelauri, mitten im geschützten Gebiet von Tsinandali, auf gerade einmal zwei Hektar Land, das schon seit Generationen zur Familie gehört.

Mikheil Chonishvili – alle nennen ihn nur Chona, daher der Name – hat diesen Betrieb erst 2014 offiziell zugänglich gemacht, für den Verkauf, für die Öffentlichkeit. Vorher war das einfach Wein, den man selbst gemacht hat, weil man es schon immer so gemacht hat. Kein Marketing dahinter, keine Erzählung, die man sich zurechtgelegt hätte. Man merkt, wenn man mit solchen Menschen spricht, dass Wein für sie kein Produkt ist, sondern etwas, das einfach dazugehört, wie ein Familienmitglied, das man nicht extra erwähnt, weil es selbstverständlich da ist.

Was mich an diesem Ort am meisten berührt, ist eigentlich gar nicht der Weinberg selbst, so schön er auch daliegt, an die fünfhundertfünfzig Meter hoch, biologisch bewirtschaftet, ohne jeden Kunstgriff. Es ist das, was drumherum passiert. Mikheil singt in einem Männerchor, der für georgische Polyphonie bekannt ist – dieser uralte, mehrstimmige Gesang, der einen sofort packt, auch wenn man kein Wort versteht. Wenn man das weiß, versteht man auch, warum die gesamte Jahresproduktion bei gerade einmal fünfzehntausend Flaschen liegt. Das ist kein Betrieb, der wachsen will. Das ist einer, der bleiben will, wie er ist.

Château Mukhrani

Und dann, als dritter Ort, ein völlig anderes Kapitel georgischer Weingeschichte – eines, das mit einem Schloss beginnt, nicht mit einer Werkstatt oder einem Bauernhof. Château Mukhrani ist, was der Name verspricht: ein echtes Château, gebaut 1885 von französischen Architekten, mit einem Gärtner, der eigens aus Versailles geholt wurde. Dahinter stand Fürst Ivane Mukhranbatoni, ein Spross der georgischen Königsfamilie Bagrationi, der nach Reisen durch Bordeaux und die Champagne so fasziniert war von der europäischen Château-Kultur, dass er beschloss, sie nach Hause zu bringen.

Die Geschichte dieses Ortes ist keine gerade Linie. Nach der Sowjetzeit lag das gesamte Anwesen buchstäblich in Trümmern, bis auf die Grundmauern zerstört. Erst 2002 begann eine Gruppe georgischer Unternehmer, es wieder aufzubauen – Weinberge neu anzulegen, die historische Substanz zu retten, eine moderne Kellerei zu errichten. Das ist selten, ein Weingut, das buchstäblich zweimal geboren wurde.

Heute arbeitet dort ein deutscher Önologe, Patrick Honnef, ausgebildet unter anderem in Bordeaux, und diese Kombination – georgisches Terroir, europäische Handschrift – ist genau das, was Château Mukhrani so besonders macht innerhalb der georgischen Weinlandschaft. Es ist kein Betrieb, der sich gegen den Westen abgrenzt oder sich ihm unterwirft. Es ist einer, der beide Welten zusammenbringt, ohne dabei seine georgische Seele zu verlieren – mit über hundert Hektar eigenen Lagen im kühleren, kalkhaltigen Kartlien, das sich spürbar von der fruchtbareren Weite Kakhetiens unterscheidet.

Drei Orte, drei völlig unterschiedliche Wege, an Wein zu glauben. Eine Garage, die zur Kellerei wurde. Eine Familie, die nie aufgehört hat, Wein zu machen. Ein Schloss, das zweimal gestorben und zweimal auferstanden ist. Vielleicht erklärt das mehr über Georgien als jede einzelne Flasche es könnte.


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