
Wenn die Flasche leer ist, bleibt ein Glas mit einem Rand darin. Der Rand verschwindet beim Spülen. Und dann?
Nicht die Rebsorte. Ich habe es geprüft: Ich könnte dir nicht mehr sagen, was in den Gläsern war, die mir im letzten Jahr am besten gefallen haben. Ich weiß aber noch genau, wo ich saß und wer mir gegenüber saß. Vielleicht ist das der eigentliche Gegenstand einer Weinbar. Nicht der Wein, sondern der Platz davor.
Gabriela Predatsch betreibt so einen Platz. Aus dem Gespräch mit ihr ist bei mir etwas hängen geblieben, das sich schlecht in einen Satz packen lässt. Deshalb nehme ich Umwege.
Der erste führt über eine Bemerkung, die in der Stuttgarter Zeitung steht. Eine Weinbar, sagt sie dort, sei „immer noch eine Nische“. Das ist nüchtern gesagt, ohne Werbeton. Wer so spricht, hat sich vermutlich nicht für eine Marktlücke entschieden. Eher dafür, dass es den Ort geben soll, auch wenn man ihn erst einmal erklären muss.
Der zweite Umweg führt über ein Verb. Gabriela und Marcel Truckenmüller sprechen von Schwerpunkten und Lieblingen, die sie Gästen gern näherbringen möchten. Näherbringen. Man hält etwas also nicht auf Abstand und fragt keine Kenntnisse ab. Man schiebt jemandem ein Glas hin und sagt: Probier mal, ich glaube, das gefällt dir. Wein als Einladung statt als Prüfung. Das klingt harmlos, bis man sich erinnert, wie oft es in dieser Branche umgekehrt läuft.
Der dritte Umweg ist ein Wort aus einer Pressebeschreibung: faire Preise. Im Genusstalk-Podcast haben die beiden laut Folgenbeschreibung darüber gesprochen, außerdem über Teamarbeit und eine einladende Atmosphäre. Faire Preise sind keine Weinromantik. Sie gehören trotzdem zur Gastlichkeit, denn wer fürchtet, sich das Glas nicht leisten zu können oder nicht dazuzugehören, setzt sich gar nicht erst hin. Dass die Stuttgarter Zeitung die Kabi mit Wohnzimmer-Atmosphäre überschrieben hat, passt dazu. In ein Wohnzimmer geht man nicht, um sich beurteilen zu lassen.
Was Gabriela aus ihren früheren Stationen mitgenommen hat, was sie dort gelassen hat und was ihr dabei wichtig wurde, kannst du in der Folge selbst hören. Ich will es hier nicht für sie zusammenfassen. Das wäre die falsche Form von Respekt.
Es bleibt ein melancholischer Gedanke. Eine Bar existiert nur für ein paar Stunden am Abend. Danach sind es wieder Stühle, Tische und Gläser, die jemand wegräumen muss. Menschen, die einen eigenen Ort bauen, wissen das. Sie bauen ihn trotzdem, weil andere Menschen für diese paar Stunden einen Platz brauchen, an dem sich Fremde für die Dauer eines Glases kennenlernen können. Das ist ein kleiner, ziemlich unwahrscheinlicher Gewinn, und er hängt jedes Mal an jemandem, der aufgeschlossen hat.
Manche Gespräche sind nach der Aufnahme vorbei. Andere gehen noch ein Stück mit. Dieses gehört zur zweiten Sorte.
Danke, Gabriela. Schön, dass Du Teil der SOMMELIER-Podcastfamilie bist.
Die Folge mit Gabriela Predatsch findest Du ab sofort überall dort, wo es Podcasts gibt.
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Großartige Produzenten dürfen wir präsentieren, was für eine riesige Ehre und Freude:

