
Manche Leidenschaften springen über Generationen, ohne dass man sich das ausgesucht hätte. Bas van Gijzen trägt eine solche in sich, und sie führt zurück zu einem Mann, den er nie kennengelernt hat: seinem Urgroßvater, der für seine Zeit ein außergewöhnlicher Weinliebhaber gewesen sein muss und dessen Geschichten in der Familie weiterleben, obwohl der Erzähler selbst längst nicht mehr da ist. Bas hat mir erzählt, dass er sich am liebsten mit genau diesem Urgroßvater auf ein Glas Wein treffen würde. Dieser Wunsch ist mir nach unserem Gespräch nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Es steckt etwas Schönes darin, wenn jemand Wein nicht als Trend versteht, sondern als Familienstück, das über Länder und Zeiten weitergereicht wird. Ein Niederländer, der über Fahrten mit Vater und Patenonkel durch deutsche und österreichische Weinberge zu einer Karriere in Mainz gefunden hat, verkörpert genau diese Weitergabe, ohne sie jemals so pathetisch zu formulieren. Bei ihm klingt das eher nach einer Selbstverständlichkeit als nach einer großen Erzählung.
Was Bas im Laurenz aufgebaut hat, zusammen mit einem Team, das sich eher wie eine gewachsene Familie liest als wie ein Betrieb, zeigt, wie viel Ernsthaftigkeit hinter der lockeren Atmosphäre einer vollen Bar stecken kann. Wer dort steht und Gäste berät, verkauft am Ende nicht nur Flaschen. Er gibt etwas weiter, das er selbst einmal von jemand anderem bekommen hat, und genau das ist es, was gute Gastgeberschaft in der Weinwelt eigentlich ausmacht.
Wir sind dankbar, dass Bas van Gijzen jetzt Teil unserer Podcastfamilie ist. Nicht, weil er besonders viele seltene Jahrgänge kennt oder besonders eloquent über Terroir sprechen kann, sondern weil in seiner Art, über Wein zu reden, immer auch Menschen mitschwingen: der Vater, der Patenonkel, der Urgroßvater, die Freunde, mit denen er sich abseits der Weinwelt bewusst erdet, um Kopf und Perspektive frisch zu halten.
Gerade in einer Zeit, in der viele Gespräche über Wein sich auf Punktzahlen und Prestigeflaschen verengen, tut es gut, jemandem zuzuhören, der das Ganze lieber als Familiengeschichte erzählt, die einfach noch nicht zu Ende ist. Vielleicht ist genau das der eigentliche Wert eines Ortes wie dem Laurenz: dass er Raum lässt für diese Art von Erinnerung, mitten in einer Bar, die eigentlich viel zu voll ist, um sentimental zu wirken, und es trotzdem schafft.
Danke, Bas, für ein Gespräch, das mehr über Herkunft erzählt hat, als eine Weinkarte je könnte.
Weinbar ist Weinkultur, wie in dieser Episode von Valentine aus dem Barrix
Eine große Freude, so besondere Produkte in einem Podcast präsentieren zu dürfen.
Ein großes Dankeschön an diese tollen Produzenten für die Unterstützung.

