
Aus dem Podcast, Drei Flaschen, die du ab jetzt brauchst
2024 Crémant de Loire Rosé Réserve – Maison Ackerman, Saumur
Stell dir einen 21-jährigen Belgier vor, der 1811 nach Saumur kommt und beschließt, seinen Schaumwein nicht in einem netten Kellergewölbe zu lagern, sondern gleich in ein ganzes unterirdisches Höhlensystem aus Tuffstein. Genau das hat Jean-Baptiste Ackerman getan, und aus diesem Anfall von Größenwahn wurde das älteste Schaumweinhaus der Loire. Heute finden in genau diesen Höhlen sogar Kunstinstallationen statt, gemeinsam mit der Abtei Fontevraud. Man trinkt hier also nicht nur Wein, man trinkt Wein aus einem Ort, der es geschafft hat, gleichzeitig Museum, Partykeller und Weinlager zu sein.
Der Rosé Réserve entsteht aus Cabernet Franc, Pinot Noir und Grolleau, klassisch nach der Flaschengärung, mit mindestens zwölf Monaten auf der Feinhefe. Bewusst nicht länger, denn Ackerman will hier keinen schwerfälligen Tiefdenker, sondern einen Wein, der seine Fruchtigkeit behält: Granatapfel, Johannisbeere, ein Hauch Walderdbeere, dazu feine Brioche-Töne. Kurz gesagt: ein Wein, der auftritt wie jemand, der zur Party kommt, aber trotzdem weiß, wie man sich benimmt.
Warum du ihn brauchst? Weil Champagner-Niveau nicht zwingend Champagner-Preise bedeutet, und weil ein Glas mit diesem Perlenspiel jeden Dienstagabend nachträglich in einen Anlass verwandelt.
2021 Pichon Comtesse Réserve – Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac
1850 teilte Baron Joseph Pichon Longueville sein Gut unter seinen Kindern auf. Die Söhne bekamen ihren eigenen Teil, die Töchter, allen voran Virginie, Comtesse de Lalande, den anderen. Rückblickend war das eine der besten Erbstreitigkeiten der Weingeschichte, denn aus dem Anteil der Töchter wurde eines der angesehensten Güter im gesamten Médoc, direkt an der Gironde-Mündung gelegen, mit Kiesböden über Kalkstein, die für Cabernet Sauvignon fast schon zu perfekt wirken.
Die Réserve ist der Zweitwein dieses Hauses, und 2021 war dabei kein gewöhnlicher Jahrgang: der erste komplett unter biologischer Bewirtschaftung, nach jahrelanger Umstellung unter Kellermeister Nicolas Glumineau. Ein launischer Jahrgang wetterte dem Weingut ordentlich dazwischen, und trotzdem steht am Ende ein Wein, der die Eleganz des großen Bruders zeigt, nur eine Spur zugänglicher und verspielter.
Warum du ihn brauchst? Weil du dir einen waschechten Pauillac aus einem Deuxième Cru Classé ins Glas holst, ohne dafür eine zweite Hypothek aufzunehmen, und weil eine Flasche mit dieser Familiengeschichte jedem Abendessen sofort ein Thema für den ersten Toast liefert.
No1 The Negroni – Ardent Batch, Österreich
Florenz, 1919: Graf Camillo Negroni betritt seine Stammbar, findet seinen üblichen Americano zu lasch und bittet den Barkeeper Fosco Scarselli, das Soda gegen Gin zu tauschen. Der Negroni ist geboren, und die Cocktailwelt hat sich seither nicht wieder beruhigt.
Über hundert Jahre später übernimmt ein österreichisches Duo aus Salzburg diesen Klassiker und füllt ihn abfüllfertig in die Flasche, mit ausschließlich italienischen Zutaten aus italienischen Familienbetrieben, produziert komplett in Österreich. Falstaff hat den No1 The Negroni mit 92 Punkten bewertet und schmeckt darin Blutorange, eine Spur Vanille und würzig-bittere Kräuternoten heraus.
Der eigentliche Clou steckt aber im Konzept: Jeder Drink, der nicht mehr live gebaut werden muss, spart einem Barkeeper fünf bis zehn Minuten. Was du damit anstellst, liegt bei dir, aber ich würde erstmal ein zweites Glas einschenken.
Warum du ihn brauchst? Weil ein perfekt austarierter Negroni ab sofort so nah ist wie dein Kühlschrank, und weil Graf Negroni vermutlich stolz wäre, dass sein Wunsch nach mehr Gin heute serienreif geworden ist.
Weinbars bereichern und ergänzen diese Weinwelt, das merkst Du auch in dieser Episode:
Und nicht unwichtig, diese besonderen Weine/Erzeugnisse bekommst du hier zu kaufen. Als Profi:

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