
WAS HAT FLEISCHERMEISTERIN ELKE SCHMIDT EIGENTLICH MIT WEIN ZU TUN?
Die ehrliche Antwort lautet: mehr, als Du beim ersten Nachdenken vermutest. Die unehrliche Antwort wäre eine dieser Pointen, bei denen alle nicken und niemand etwas gelernt hat. Ich nehme lieber die ehrliche.
Denk kurz an jemanden, der jahrelang Ware in der Hand hatte. Der weiß, dass ein Produkt nicht einfach da ist, sondern irgendwo herkommt, dass jemand etwas damit gemacht hat und dass man das am Ende schmeckt. Wer das verinnerlicht hat, muss es beim Wein nicht mehr lernen, sondern nur noch übertragen. Herkunft, Handwerk, Bedingungen, Qualität: Das Vokabular wechselt, die Fragen bleiben dieselben.
Damit sind wir bei Elke Schmidt. Fleischermeisterin seit 1992, Sommelière seit Oktober 2012, geprüft vor der IHK Koblenz. Ich könnte jetzt behaupten, das sei ein Bruch im Lebenslauf. Nach dem Gespräch würde ich eher sagen: Es ist ein Faden. Man sieht ihn nur nicht sofort.
Was ich an dieser Konstellation mag: Sie erklärt, warum bei Grashoff Wein nie im luftleeren Raum stand. Das Bremer Familienunternehmen reicht bis 1872 zurück, und Elke Schmidt führte es gemeinsam mit ihrem Mann Oliver D. Schmidt über viele Jahre als Mitinhaberin. Gastronomie, Delikatessen, Catering und Wein liefen dort zusammen. Das Bistro, 1968 nach französischem Vorbild eröffnet, gehört dabei zu den prägenden Kapiteln der Hausgeschichte. Ich betone: Kapitel. Vergangenheit. Wer heute in Bremen einen Tisch sucht, muss woanders fragen. Was blieb, sind die Manufaktur, der Vertrieb, der Onlinehandel, die Weinseminare und die Weinreisen.
Und dann ist da die Frage, die mich im Gespräch am meisten beschäftigt hat, und die ich Dir gern mitgeben möchte, ohne die Antwort zu verraten: Wann hilft Weinwissen eigentlich, und wann treibt es Menschen vom Wein weg? Jeder kennt diesen Moment am Tisch. Jemand sagt etwas Kluges über Rebsorte und Terroir, und der Rest der Runde entscheidet still, lieber Wasser zu trinken. Ein Sommelier, so verstehe ich die Rolle, ist dann weniger Prüfer als Übersetzer: zwischen dem Produkt und dem Menschen, der es genießen soll.
Ich will hier nichts nacherzählen, was Du besser in der Folge hörst, und ich lege Elke Schmidt keine Sätze in den Mund, die sie so nicht gesagt hat. Nur so viel: Es geht um Herkunft, um Traubengut, um die Haltung des Winzers, um Erfahrung und Neugier. Und um Essen, das mit im Raum sitzt, wenn ein Wein eingeschenkt wird. Bei jemandem aus dem Lebensmittelhandwerk ist das vermutlich keine Kür, sondern Grundausstattung.
Interessant ist sie für mich also nicht, weil sie Wein versteht. Das tun viele. Interessant ist die Verbindung aus Handwerk, Produkt, Unternehmertum, Gastronomie und Gastfreundschaft, und dass am Ende trotzdem der Mensch im Mittelpunkt steht, der einfach ein gutes Glas trinken möchte. Und wenn er einen Wein schlicht lecker findet: völlig in Ordnung.
Die Folge ist jetzt online. Such Dir einen Platz, an dem Du zuhören kannst, ohne nebenbei E-Mails zu beantworten.
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Während dieser Episode, dürfen wir die Weine von großartigen Produzenten präsentieren.
Vielen lieben Dank dafür.

