
Jetzt lassen wir die schicken Hügel hinter uns und rollen raus ins flache, endlose Land, wo die Reben in strengen Reihen stehen wie Soldaten, die schon seit Generationen Wache halten. Willkommen in Lodi. Kein Tal mit dramatischen Hängen und teuren Villen, sondern ein breites, praktisches Stück Kalifornien im nördlichen San Joaquin Valley, das die meiste Arbeit macht, während andere den Ruhm einheimsen.
Das Lodi AVA erstreckt sich über rund 220.000 Hektar Gesamtfläche, davon sind aktuell etwa 35.000 bis 40.000 Hektar mit Reben bepflanzt – manche Quellen sprechen sogar von über 40.000 Hektar in Spitzenjahren. Zum Vergleich: Das ist ein Vielfaches von Napa. Hier wächst rund 20,5 Prozent aller kalifornischen Weintrauben, mehr als Napa und Sonoma zusammen. Das macht Lodi zur größten zusammenhängenden Weinanbauzone Amerikas und liefert ungefähr 17 Prozent des gesamten US-Weins. Über 85 Wineries und mehr als 750 Grower arbeiten hier, viele davon Familienbetriebe, die neben Trauben auch Mandeln, Pfirsiche oder Walnüsse ziehen, wenn der Markt mal wieder hustet.
Seit 2006 gliedern sieben Sub-AVAs das Gebiet: Mokelumne River als das große historische Herz mit über 40.000 Hektar Gesamtfläche und den meisten alten Reben, Cosumnes River als flächenmäßig größtes Sub-AVA (rund 22.000 Hektar, aber nur wenige tausend bepflanzt), Alta Mesa, Borden Ranch, Clements Hills, Jahant (das kleinste) und Sloughhouse. Jede hat ihre eigenen Macken, doch zusammen bilden sie diese riesige, bodenständige Maschine, die nicht nur Massenware, sondern auch echte Perlen produziert.
Hier stehen über 130 verschiedene Rebsorten – eine der höchsten Diversitäten landesweit. Viele alte Zinfandel-Reben, manche über hundert Jahre alt, wurzeln noch auf eigenen Wurzeln und liefern konzentrierte, wilde Frucht. Lodi ist kein Hochglanz-Theater. Stattdessen stößt du auf Winzer mit Erde unter den Fingernägeln, die früh auf Nachhaltigkeit gesetzt haben. Das LODI RULES-Programm, eines der ersten zertifizierten Systeme Kaliforniens, umfasst über 150 messbare Praktiken und deckt Zehntausende Hektar ab – aktuell mehr als 35.000 Hektar allein in Lodi, insgesamt über 75.000 Hektar weltweit. Die Leute hier haben nicht gewartet, bis jemand aus der Stadt ihnen erklärt, wie man vernünftig wirtschaftet. Sie haben einfach angefangen.
Lodi fühlt sich an wie ein großer, etwas chaotischer Marktplatz, auf dem die Händler sich noch beim Vornamen kennen. Kein Tamtam, dafür echte Geschichten, die beim zweiten oder dritten Glas herauskommen. Ein Gebiet, das unter dem Radar fliegt, aber jeden Tag Tonnen von Trauben liefert, die später in Flaschen überall auf der Welt landen – oft ohne dass der Name draufsteht. Genau das macht es so ehrlich.
Morgen graben wir tiefer. Aber heute steht einfach nur das große, ungeschminkte Bild vor dir – riesig, lebendig und viel unterschätzter, als die meisten denken.
Gerne kannst Du Dein Weinwissen um Kalifornien komplettieren – dann auf, als nächstes gerne das SONOMA
Und während dieser Episode durften wir von sehr besonderen Produzenten,
Weine probieren, die uns sehr begeistert haben. Vielen lieben Dank dafür.

