
Zwölf Meter Regal und ein Händler mit Meinung
Warum kauft jemand Wein im Fachgeschäft, wenn es im Supermarkt zwölf Meter Regal gibt, Sonderangebot inklusive, Parkplatz vor der Tür? Ich habe darüber nachgedacht, und die ehrlichste Antwort, die mir einfällt, lautet: Weil zwölf Meter Regal keine Meinung haben. Sie stehen da und warten, bis du dich entscheidest. Ein Fachhändler dagegen hat eine, und im besten Fall hat er sie sich erarbeitet.
Daniel Hasert hat eine. Seit 2009 macht er in Winterbach seine Kunden mit deutschem Wein bekannt, und zwar mit dem, den er selbst ausgesucht hat. Er geht gezielt auf Newcomer zu und auf Winzer, die ganz oben mitspielen, und mit beiden Seiten entwickelt er eigene Weinkollektionen. Das klingt nach einem Satz aus einer Imagebroschüre, ist aber eine ziemlich konkrete Arbeit. Man muss jemanden finden, den noch keiner kennt, und dann so lange hinschauen, bis man sich traut, ihn anderen Leuten in die Hand zu drücken.
Der junge Winzer ist dabei das größere Risiko. Der mit dem großen Namen verkauft sich von selbst, der andere muss erklärt werden. Und damit sind wir bei dem Teil des Berufs, der mich am meisten interessiert: Ein Händler sitzt zwischen zwei Menschen, die beide dasselbe wollen und völlig verschieden reden. Der eine spricht von Hang, Lese und Jahrgang, der andere von Dienstagabend und der Frage, ob das auch zum Essen passt. Irgendwer muss das übersetzen, und zwar ohne dass einer der beiden das Gefühl bekommt, er werde gerade belehrt.
Wie gut Daniel das macht, haben auch andere schon bemerkt. Beim Wettbewerb „Weinfachhändler des Jahres“ der Fachzeitschrift Weinwirtschaft kam Daniel’s Weine 2020 auf Platz zwei. Außerdem gab es einen Sonderpreis in der Kategorie Eventmarketing. Die Fachzeitschrift schrieb dazu sinngemäß, dass es dem Team gelinge, neue Zielgruppen für Wein anzusprechen und dem stationären Fachhandel Relevanz zu geben. Die Jury lobte auch die große Bandbreite an Veranstaltungen. Ein Laden also, zu dem man auch ohne Einkaufszettel geht, was im Einzelhandel heute ungefähr so selbstverständlich ist wie ein Telefon mit Wählscheibe.
Mich beschäftigt in dieser Folge noch etwas anderes, nämlich die Frage, wann Weinwissen eigentlich hilft. Es gibt Menschen, die nach zehn Minuten Fachvortrag nie wieder eine Flasche aufmachen wollen. Und es gibt Fragen im Laden, die man sich nicht zu stellen traut, weil man glaubt, alle anderen wüssten die Antwort schon. Wer so einen Raum führt, muss entscheiden, wann er etwas erklärt und wann er einfach die Flasche rüberreicht. Wie Daniel mit dieser Entscheidung umgeht, hörst du in der Folge.
Seit heute ist sie online. Wenn du nur zehn Minuten Zeit hast, reicht das, um die Richtung zu verstehen. Wenn du mehr hast, bleibt die Folge eine gute Begleitung für den Dienstagabend, der ohnehin noch keinen Plan hat.
Und hier gibt es schon einmal die PREVIEW:
Während des Podcast dürfen wir ganz besondere Weine und Produkte der Schlumberger-Gruppe vorstellen.
Danke für die Möglichkeit.

