
Wenn ein Gespräch gut war, merkt man es daran, dass man hinterher nicht gleich weiß, was man als Nächstes tun soll. Die Kopfhörer sind abgenommen, das Notizbuch liegt zu, draußen ist es eine Spur dunkler geworden, als es sein dürfte. Man steht noch ein bisschen herum. Das ist das beste Kompliment, das man einem Gespräch machen kann.
Mathias Brandweiner hat mir dieses Gefühl gegeben. Ich will das nicht größer machen, als es ist. Es war ein Gespräch zwischen zwei Leuten, die Wein mögen und gern darüber reden. Aber es war eines, das nachwirkt, und davon gibt es weniger, als man glaubt.
Was bleibt, ist vor allem ein anderer Maßstab. Man hört viel über Sommeliers, die Blindproben gewinnen oder Jahrgänge auswendig kennen. Brandweiner, geboren im Waldviertel, mit achtzehn fertig mit der ersten Sommelierausbildung, danach in Wien, Kitzbühel, London, Berlin, hat das alles längst hinter sich. Ein Jungveteran, wenn man so will. Und trotzdem spricht er in einem Interview über den ersten Schluck einer Flasche und darüber, wohin sie will, als sei es das Normalste der Welt, einem Wein erst einmal zuzuhören. Er hat dort auch gesagt, dass er an einem Abend lieber nur eine Flasche Champagner mit Freunden öffnet, nicht weil sie etwas feiern, sondern weil sie den Moment mögen. Es klingt nach einem Menschen, der nicht auf einen Anlass wartet.
Er hat außerdem erzählt, dass er in seiner Laufbahn viel Glück mit Mentoren und Chefs hatte, und dass ihn am meisten die Emotionen geprägt haben, die man von Winzern und Gästen mitbekommt. Das hat mich beim Zuhören berührt. In einer Branche, die gern von Punkten und Rängen redet, ist es fast unhöflich ehrlich, wenn jemand sagt: Was bleibt, sind Gefühle.
Die Hafenküche an der Rummelsburger Bucht ist für ihn offenbar ein Ort, an dem all das Platz hat. Draußen das Wasser, im Winter das Feuer im Kamin, eine Karte mit Weinen aus Deutschland und Österreich. Er selbst hat sie als einen Ort zum Wohlfühlen beschrieben. Man kann das für eine Floskel halten. Ich halte es für ein Versprechen, das man jeden Abend neu einlösen muss.
Deshalb freut es uns, dass Mathias jetzt zur Podcastfamilie gehört. Ich weiß, wie so ein Satz klingen kann. Gemeint ist etwas Einfaches: Am Tisch steht jetzt ein Stuhl mehr, und er ist gut besetzt.
Danke, Mathias, für Zeit, Offenheit und Humor. Und dafür, dass dieses Gespräch am Ende nicht so geendet hat, wie Gespräche meistens enden, nämlich mit dem Blick auf die Uhr.
Mit Mathias Brandweiner könnte man ziemlich lange am Wasser sitzen. Die Folge ist dafür ein guter Anfang.
Die Episode von Mathias hat mich im Tiefgang an diese von erinnert.
Kannst Du das nachvollziehen? Höre doch mal rein.
Ein großes Dankeschön, an diese besonderen Produzenten & Winzer,
dass sie dieses, unser Format und damit die ganze Branche unterstützen.

