
Wer heute über deutschen Wein schreibt, bewegt sich in einem Feld, das sich in den vergangenen drei Jahrzehnten stärker verändert hat, als manche Etiketten vermuten lassen. Riesling ist längst mehr als Herkunft und Säure, Spätburgunder hat sich von alten Vergleichsmustern gelöst, Silvaner ist vielerorts aus seiner stillen Nebenrolle herausgetreten. Lagen, Böden, Klimaveränderungen, Stilentwicklungen, Gastronomie, internationale Märkte und Bewertungen greifen ineinander. Wenn Du verstehen möchtest, warum sich diese Veränderungen vollziehen, brauchst Du jemanden, der nicht nur verkostet, sondern Entwicklungen einordnet.
Dr. Ulrich Sautter gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen des deutschsprachigen Weinjournalismus. Seit 2014 verantwortet er als Weinchefredakteur von Falstaff Deutschland einen erheblichen Teil der publizistischen Arbeit rund um Wein. Zuvor schrieb er unter anderem für Wein Gourmet und Der Feinschmecker und begleitete damit eine Zeit, in der sich der deutsche Wein grundlegend neu definierte.
Dass Ulrich promovierter Philosoph ist, erklärt vielleicht einen Teil seiner Arbeitsweise. Seine Texte suchen selten den schnellen Effekt. Sie ordnen Beobachtungen, prüfen Zusammenhänge und stellen Fragen, die über den einzelnen Jahrgang hinausreichen. Was bedeutet Qualität tatsächlich? Welche Rolle spielt Herkunft heute noch? Wo endet Tradition und wo beginnt Gewohnheit? Solche Überlegungen tauchen in seinen Veröffentlichungen immer wieder auf, ohne dass sie den Blick auf das Glas verlieren.
Mit dem Weinatlas Deutschland, den er gemeinsam mit Dieter Braatz und Ingo Swoboda veröffentlichte, entstand ein Standardwerk, das deutsche Weinlandschaften nicht als touristische Kulisse beschreibt, sondern ihre geologischen, klimatischen und historischen Zusammenhänge nachvollziehbar macht. Wer sich ernsthaft mit Wein beschäftigt, landet früher oder später genau dort: bei Böden, Expositionen, historischen Lagen und der Frage, warum zwei benachbarte Parzellen völlig unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen können.
Als Weinchefredakteur verantwortet Dr. Ulrich Sautter außerdem ein Bewertungssystem, das jedes Jahr Tausende Weine und Hunderte Weingüter umfasst. Hinter jeder Ausgabe des Falstaff Weinguides stehen umfangreiche Verkostungen, Diskussionen und redaktionelle Entscheidungen. Solche Bewertungen prägen nicht nur Kaufentscheidungen. Sie beeinflussen Wahrnehmungen, ordnen Entwicklungen ein und setzen Orientierungspunkte innerhalb einer Branche, die sich kontinuierlich verändert.
Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf Ulrich heute mehr denn je. Der deutsche Wein befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Der Klimawandel verschiebt Stilbilder, neue Rebsorten gewinnen an Bedeutung, klassische Regionen interpretieren ihre Herkunft neu, während sich gleichzeitig die Anforderungen der Gastronomie ebenso verändern wie die Erwartungen der Verbraucher. Wer über Wein schreibt, muss all diese Entwicklungen beobachten, ohne vorschnelle Urteile zu fällen.
Genau darin liegt die Bedeutung von Dr. Ulrich Sautter. Er bewertet nicht jede Neuerung reflexartig als Fortschritt, ebenso wenig hält er am Vertrauten fest, nur weil es lange Bestand hatte. Seine Arbeit zeichnet sich dadurch aus, Entwicklungen über längere Zeiträume zu verfolgen und Zusammenhänge sichtbar zu machen, die im schnellen Nachrichtenrhythmus leicht verloren gehen. Seine Texte leben weniger von zugespitzten Formulierungen als von sorgfältiger Beobachtung und präziser Einordnung.
Morgen erscheint die neue Folge von SOMMELIER. Dich erwartet kein Gespräch über Etiketten, Punkte oder Lieblingsweine. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein Gespräch mit einem der profiliertesten Weinjournalisten Deutschlands, dessen Blick auf den Wein seit vielen Jahren Orientierung bietet und dessen Urteile weit über die Grenzen des klassischen Weinjournalismus hinaus Beachtung finden.
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