
Um Lodi zu verstehen, hilft es zurückzublicken, darum graben wir uns durch die Schichten der Zeit, wo Reben wie alte Knochen im Boden stecken und die Geschichte nicht in Hochglanzbüchern, sondern in staubigen Traktoren und Familienalben steckt. Willkommen in der Geschichte von Lodi – keine glatte Aufstiegsgeschichte, sondern ein zähes, manchmal widerspenstiges Ding, das sich durch Goldrausch, Prohibition und harte Zeiten gebissen hat.
Alles fing 1848 an, als der Goldrausch die Gegend auf den Kopf stellte. Ein Schweizer Einwanderer namens Magley soll die ersten Reben in die Erde gesteckt haben, mitten in einer Landschaft aus Eichen, Grasland, Elchen und Grizzlys. 1850 pflanzte Captain Charles Weber einen Weinberg bei Stockton für den eigenen Bedarf. 1852 kam George West aus Massachusetts, traf Weber und gründete die El Pinal Nursery. Er ließ Jahr für Jahr Pflanzmaterial aus Boston kommen – darunter Colombard, Sultana und frühe Zinfandel-Varianten. 1858 öffnete El Pinal Winery, eine der ersten kommerziellen Kellereien der Region.
In den 1880er Jahren explodierte der Anbau. Die Flame Tokay, eine Tafeltraube, reifte hier besonders gut in den sandigen Lehmböden und kühlen Nächten. 1899 zählte man schon über zwei Millionen Rebstöcke. Winzer wie Joseph Spenker pflanzten 1886 die Bechthold-Vineyard mit Cinsault – heute das älteste durchgehend bewirtschaftete Weinfeld der Region – und 1889 die Royal Tee Vineyard mit Zinfandel-dominierten Mischpflanzungen. Manche dieser Stöcke stehen bis heute auf eigenen Wurzeln und tragen noch immer.
Der große Knick kam mit der Reblaus in den 1890er Jahren und dann mit voller Wucht 1920 die Prohibition. Viele Betriebe machten dicht oder schalteten auf Tafeltrauben und Rosinen um. Doch Lodi überlebte besser als viele andere: Die Nachfrage nach Trauben für Hauswein hielt die alten Stöcke am Leben. Nach dem Ende der Prohibition 1933 ging es schleppend weiter. 1956 erkannte die Bundesregierung Lodi offiziell als Weinbaugebiet an.
1979 kaufte Robert Mondavi Land in Acampo und gründete Woodbridge Winery – ein Signal, dass hier mehr steckt als nur Massenware. 1986 erhielt Lodi endlich seine eigene AVA. 1991 gründeten die Winzer die Lodi Winegrape Commission, um aus dem Schatten herauszutreten. In den folgenden Jahrzehnten bauten Familien wie die Spenkers, Langes, Phillips und Mettlers ihre Betriebe aus, hielten an alten Reben fest und experimentierten mit neuen Sorten.
Lodi hat nie den großen Glamour gesucht. Es hat einfach weitergemacht: Familienbetriebe, die Generation für Generation auf demselben Land sitzen, durch Krisen, Booms und alles dazwischen. Von den Pionieren des Goldrauschs bis zu den sturen Überlebenden der Prohibition – hier wurde Wein nicht erfunden, sondern erkämpft.
Morgen geht’s weiter in die nächsten Kapitel. Aber heute spürst du schon: Das ist kein schnelles Märchen, sondern ein langer, erdiger Roman mit vielen Kapiteln.
Ein weiteres großes Kapitel der kalifornischen Weingeschichte, findest Du in der Napa Episode mit Maximilian Wilm. Bitte schön und viel Freude beim hören:
Die Weine, die wir in der Napa-Episode verkostet haben, waren spektakulär.
Und dennoch standen die Weine aus dieser Folge ihnen kaum nach – und das zum „Lodi-Preis“.
Ein Dankeschön an die Importeure und Handelshäuser für die Bereitstellung.

