
Morgen erscheint die neue Folge – und ich gebe zu: Ich freue mich darauf wie ein Kind auf den ersten warmen Tag im Frühling, an dem man endlich wieder ohne Jacke raus kann.
Carine Patricio sitzt morgen bei mir. Die Frau, die 2020 als erste Sommelière den Titel „Best Sommelier of Portugal“ geholt hat, die jahrelang in der Spitzengastronomie – unter anderem im sternedekorierten Umfeld – am Tisch stand und inzwischen bei Joh. Jos. Prüm an der Mosel arbeitet, wo sie die ikonischen Rieslinge in die Welt trägt. Franco-portugiesische Wurzeln, aufgewachsen in der Nähe von Paris, dann der Liebe wegen nach Hamburg und irgendwann die steilen Schieferhänge der Mosel. Das allein wäre schon eine gute Geschichte. Aber bei Carine geht es nie nur um die Biografie.
Was mich an ihr fasziniert, ist, wie sie Wein behandelt. Nicht als Vokabeltest und auch nicht als Bühne für Fachchinesisch. Sondern als etwas, das sich zwischen Menschen entfaltet. Sie übersetzt die sensorische Welt des Weins in etwas Emotionales, ohne dabei je kitschig zu werden. Ein Glas wird bei ihr nie nur „mineralisch mit Zitrusnote“ – es wird zu einer Stimmung, zu einer Erinnerung, zu einem kurzen Moment von Klarheit oder Leichtigkeit. Präzision trifft bei ihr auf eine fast schon intuitive Sensibilität dafür, was der Gast gerade braucht, ohne dass er es aussprechen muss.
Ich mag ihren Zugang zur Gastlichkeit. Sie ist aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein, individuell, ohne dabei in die Rolle der großen Erklärerin zu schlüpfen. Wein dient bei ihr als Medium für echte Verbindung – nicht als Gelegenheit, Wissen vorzuführen. Das klingt vielleicht selbstverständlich, ist es in der Praxis aber oft nicht. In einer Welt, in der manche Sommeliers noch immer wie kleine Professoren am Tisch auftreten, wirkt ihr Stil erfrischend unaufgeregt und gleichzeitig hochprofessionell.
Besonders spannend finde ich, wie sie die zeitgenössische Sommellerie sieht: weniger starre Hierarchie, mehr Dialog, mehr Persönlichkeit. Weniger „Ich weiß, was du trinken solltest“, mehr „Lass uns gemeinsam herausfinden, was gerade passt“. Das ist kein weicher Trend, sondern eine klare Haltung – und eine, die in der Praxis funktioniert, weil sie den Menschen ernst nimmt, statt ihn zu beeindrucken.
Also bis morgen!
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