
Es gibt Abende, an denen man merkt, dass Wein nicht einfach nur eingeschenkt wird. Er wird gelesen. Und manchmal reicht ein einziges Gespräch, um zu verstehen, warum manche Sommeliers die Stille beherrschen, während andere nur Lautstärke erzeugen. Genau so ein Gespräch war die Folge mit Julian Grampp.
Man sitzt da, Kopfhörer im Ohr, Köln draußen vor dem Fenster, und plötzlich wird aus einer Podcaststunde ein ruhiges, fast meditatives Hören. Kein Feuerwerk aus Anekdoten, kein Namedropping von Grand Crus, die sowieso niemand kennt. Stattdessen diese präzise, fast chirurgische Art, mit der er Wein in Beziehung setzt – zum Gast, zur Küche, zum Moment. Als würde er nicht servieren, sondern übersetzen. Zwischen Flasche und Teller entsteht etwas, das man bei NeoBiota schon am Tisch spürt: eine Verbindung, die weder aufdringlich noch beliebig ist. Sie ist einfach da. Und genau deshalb wirkt sie.
Sommellerie, wie Grampp sie lebt, ist eine leise Disziplin. Keine Bühne, keine Pose. Eher die Kunst der Wahrnehmung: das leichte Zögern eines Gastes, das unmerkliche Kippen der Stimmung am Tisch, der Zwischenton zwischen zwei Gängen. Er hat ein Gespür dafür, das man nicht lernen kann, jedenfalls nicht aus Büchern. Man erkennt es daran, wie er spricht – klar, ruhig, ohne ein einziges überflüssiges Wort. Präzise wie ein guter Korkenzieher, der nie abrutscht. Und wer seine Stationen kennt – vom Grand Hotel Heiligendamm über die Traube Tonbach bis zu Cordo und Restaurant Richard in Berlin –, der weiß: Das ist kein Zufall. Das ist jahrelang geschliffene Aufmerksamkeit.
In Köln hat er sich die Weinszene ausgesucht, um sie aufzumischen. Nicht mit Lautsprechern, sondern mit Gläsern. Bei NeoBiota, wo das Team um Sonja Baumann und Erik Scheffler sowieso schon mit Herz und Hirn arbeitet, wird seine Begleitung zum stillen Komplizen des Menüs. Aufmerksam, differenziert, unaufdringlich. Und genau dadurch wirkungsvoll. Man trinkt nicht einfach einen Wein. Man versteht plötzlich, warum gerade dieser eine passt. Jetzt. Hier. Zu diesem Stück Gemüse, diesem Moment, diesem Menschen am Tisch gegenüber.
Es war bereichernd, ihm zuzuhören. Tiefgehend, weil er nichts erklären muss, was nicht schon in der Flasche liegt. Und weil er in der Lage ist, das, was er weiß, so zu erzählen, dass es sich anfühlt wie ein gutes Essen: sättigend, ohne schwer zu sein. Mit Humor, der nie laut wird, und einer Beobachtungsgabe, die einem das Gefühl gibt, man säße selbst mit am Tisch.
Deshalb der Dank. Für eine Folge, die nicht nur unterhält, sondern etwas verändert. Und dass wir dankbar sind, dass er jetzt zur Podcastfamilie gehört. Willkommen, Julian. Die Gläser sind schon gefüllt.
Und hier eine ganz besondere Kollegin von Julian:
Versuche doch einmal die Weine, die wir in dieser Episode präsentieren. Du wirst begeistert sein.
Vielen Dank für die Unterstützung an diese so besonderen Produzenten.

