
Manche Leute füllen dir den Kopf mit Aromenwolken und Terroir-Gedichten, bis du denkst, Wein sei eine Religion und du der letzte Ungläubige. Conny Ganß macht das Gegenteil. Sie haut dir einfach Namen raus, als würde sie im Supermarkt die Einkaufsliste diktieren.
Calon-Ségur. Lucie Mancais. Pol Roger. David Moret. Böhme und Töchter. Zilliken. J.J. Prüm. Bumm. Fertig. Kein „oh, dieser elegante Hauch von nassem Stein nach dem Gewitter von 1982“. Einfach: Die mag ich. Die anderen könnt ihr behalten.
Und was hasst sie? Nicht irgendwelche komplizierten Feinde der Weinwelt. Nein. Gesichtlose Massenware, bei der das Etikett teurer war als der Inhalt und die am Ende keine fünf Euro kostet. Das ist so ehrlich, dass es fast unhöflich wirkt. Als würde jemand auf einer Fancy-Party laut sagen: „Der Champagner hier schmeckt nach Abwaschwasser, und das weiß jeder.“
Dann die Restaurants. Dino e Tony in Rom. Yarra in Bordeaux. Gasthaus zum Hirschen bei Max Geitlinger im Markgräflerland. The Glue Pot in Reims. Trattoria Il Bracco Brillo in Terni. Keine Sternchen-Tempel, wo man für den Blick des Kellners extra zahlt. Orte, an denen man isst, trinkt und hinterher merkt: Hier hat jemand noch alle Tassen im Schrank. Kein Theater. Kein „Lassen Sie mich Ihnen die Philosophie unseres Hauses erklären“. Einfach gutes Essen und Wein, der nicht so tut, als wäre er wichtiger als du.
Das Ganze passt so unverschämt gut zusammen, dass man fast sauer wird. Die Weine haben Charakter. Die Restaurants haben Charakter. Und die Frau, die das alles nennt, hat offensichtlich null Bock, irgendwem was vorzuspielen. In einer Branche, die manchmal so tut, als wäre jedes Glas ein spirituelles Erlebnis und jedes Etikett eine Doktorarbeit, wirkt das wie jemand, der mitten in der Oper aufsteht und fragt: „Wann kommt endlich das Essen?“
Man könnte jetzt tiefschürfend darüber nachdenken, was das über Authentizität sagt. Oder man könnte einfach zugeben: Es ist erfrischend, wenn jemand die Liste der heiligen Kühe durchgeht und bei den langweiligen einfach „Nö“ sagt. Keine Drama-Queen. Keine Wein-Philosophin mit erhobenen Zeigefinger. Einfach jemand, der weiß, was er mag, und den Rest höflich, aber bestimmt in die Tonne tritt.
Deshalb sitzt das Gespräch. Nicht weil es große Wahrheiten ausgebreitet hat. Sondern weil da jemand war, der die üblichen Wein-Theater-Nummern übersprungen hat und direkt zum Punkt kam. Die guten Flaschen. Die schlechten Etiketten. Die Restaurants, in denen man noch Mensch bleiben darf.
Und das, meine Freunde, ist in dieser Branche schon fast eine radikale Aktion.
Noch mehr Geheimnisse gefällig? Gerne!
Ein großes Dankeschön dafür, dass wir von diesen großartigen Produzenten ganz besondere Weine erklären dürfen:

