
Wer durch das Vulkanland Steiermark fährt, bekommt zunächst nicht unbedingt das Gefühl, durch eine der interessantesten Weinlandschaften Österreichs zu reisen. Keine endlosen Rebflächen, keine spektakulären Weinberge, die sich wie im Bilderbuch aneinanderreihen. Stattdessen: sanfte Hügel, Wälder, Wiesen, Obstgärten und dazwischen immer wieder Weinberge. Die Landschaft wirkt kleinteilig, fast beiläufig. Doch genau darin liegt ihre Besonderheit.
Rund 1.600 Hektar Rebfläche umfasst das Vulkanland Steiermark. Damit ist es nach der Südsteiermark das zweitgrößte Weinbaugebiet der Steiermark. Gleichzeitig ist es das vielleicht heterogenste. Die Weinberge verteilen sich auf zahlreiche Weininseln, die sich von der Oststeiermark bis an die slowenische Grenze ziehen. Riegersburg, Gleichenberg, Kapfenstein, St. Anna, Straden, St. Peter, Tieschen, Klöch und seit der jüngeren Herkunftsentwicklung auch die Oststeiermark stehen für unterschiedliche geografische und geologische Voraussetzungen.
Der Name ist dabei Programm – allerdings nicht ganz so einfach, wie er klingt. Das Vulkanland ist kein durchgehend vulkanischer Boden. Vor Millionen Jahren prägten Vulkane Teile dieser Landschaft. Heute finden sich deshalb neben vulkanischen Gesteinen auch Sand, Ton, Schotter, Schluff und Sedimente. In Kapfenstein etwa stehen Reben auf verwittertem Vulkangestein und Basalttuff. Besonders interessant sind Einschlüsse von Olivin, die von der vulkanischen Vergangenheit zeugen. In anderen Bereichen dominieren Sedimentböden oder eisenhaltige, rötliche Böden.
Für den Weinbau bedeutet das eine außergewöhnliche Vielfalt. Die Bodenverhältnisse können sich auf relativ kurzer Distanz verändern und damit auch Wasserhaushalt, Nährstoffversorgung, Wuchskraft und Reifeverlauf der Reben beeinflussen.
Hinzu kommt das Klima. Das Vulkanland liegt an einer klimatischen Schnittstelle. Aus dem Osten dringt pannonische Wärme in die Region, aus dem Süden kommen illyrische Einflüsse. Die Sommer können warm und trocken sein, gleichzeitig sorgen Höhenlagen und nächtliche Abkühlung für Frische. Diese Kombination ist für den Weinbau ausgesprochen interessant: Die Trauben können physiologische Reife erreichen, ohne dass die Weine zwangsläufig ihre Spannung verlieren.
Das Ergebnis sind Weine, die häufig gleichzeitig aromatisch und präzise wirken.
An der Spitze der Sortenvielfalt steht Welschriesling. Auch Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Morillon und Gelber Muskateller besitzen eine wichtige Stellung. Besonders charakteristisch sind darüber hinaus Traminer und Grauburgunder. Und schließlich spielt auch der Rotwein eine größere Rolle als in den anderen steirischen DAC-Gebieten. Zweigelt und St. Laurent finden insbesondere auf geeigneten, wärmeren Standorten gute Bedingungen.
Ein Ort besitzt dabei eine ganz besondere Verbindung zu einer Rebsorte: Klöch und der Traminer. Die Sorte hat hier eine lange Tradition und ist heute ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität. Die Weine können intensiv duften, häufig nach Rosen, Gewürzen und exotischer Frucht, ohne dabei zwangsläufig schwer zu wirken. Das warme Klima sorgt für Reife, die kühleren Nächte für aromatische Präzision.
Straden wiederum zeigt eine andere Seite des Vulkanlandes. Hier spielt Grauburgunder eine bedeutende Rolle, gleichzeitig entstehen präzise Sauvignon Blancs. Bei der VINUM-Verkostung „Best of Steiermark 2025“ erreichte ein Straden Sauvignon Blanc 2024 den ersten Platz unter den Sauvignon-Blanc-Ortsweinen. Ein Sauvignon aus Gleichenberg folgte auf Rang drei. Das zeigt, wie stark sich die Region inzwischen über konkrete Herkunft und nicht nur über Rebsorten definiert.
Genau hier liegt eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre. Seit dem Jahrgang 2018 gilt die Herkunftsbezeichnung Vulkanland Steiermark DAC. Die Herkunftspyramide unterscheidet Gebietsweine, Ortsweine und Riedenweine. Damit rückt zunehmend die einzelne Lage in den Mittelpunkt.
Das verändert auch die Arbeit der Winzer. Wer einen Riedenwein erzeugt, muss seine Lage kennen und sie möglichst präzise in den Wein übersetzen. Exposition, Hangneigung, Boden, Kleinklima, Ertrag, Lesezeitpunkt und Ausbau werden zu entscheidenden Faktoren.
Im Keller bedeutet das längst nicht mehr zwangsläufig maximale Intervention. Viele Betriebe arbeiten heute präziser mit Temperatur, Maischestandzeit, Hefen, Holz und reduktiven Verfahren. Andere setzen auf Spontangärung, längere Hefelagerung oder große Holzfässer. Entscheidend ist weniger die Methode als die Frage, was der jeweilige Wein braucht.
Das Vulkanland hat dabei einen großen Vorteil: Es muss sich nicht auf einen einzigen Weinstil festlegen.
Welschriesling kann leicht, frisch und unkompliziert auftreten. Weißburgunder bringt mehr Substanz. Sauvignon Blanc verbindet Frucht und Würze mit steirischer Frische. Traminer liefert intensive Aromatik. Grauburgunder kann Kraft und Struktur entwickeln. Und Zweigelt oder St. Laurent zeigen, dass die Region auch mit roten Sorten ernst genommen werden kann.
Diese Vielfalt macht das Gebiet anspruchsvoll – für den Winzer ebenso wie für den Besucher.
Denn wer das Vulkanland verstehen will, sollte nicht nur einen Wein probieren. Er sollte durch die Region fahren. Von einer Weininsel zur nächsten. Von Klöch nach Straden, von Kapfenstein nach Riegersburg. Man sollte die Böden sehen, die Hänge betrachten und verstehen, wie unterschiedlich die Landschaft auf wenigen Kilometern werden kann.
Dann wird auch klar, warum das Vulkanland nicht über einen einzigen großen Wein definiert werden kann.
Seine Stärke liegt in der Vielfalt der Herkünfte.
Hier treffen pannonische Wärme und illyrische Feuchtigkeit aufeinander, vulkanische Gesteine auf Sedimentböden, traditionelle Rebsorten auf moderne Kellertechnik und Buschenschankkultur auf eine zunehmend präzise Herkunftsweinphilosophie.
Die Vulkane sind längst erloschen. Ihr Einfluss ist jedoch noch immer präsent – nicht als spektakuläre Landschaft, sondern dort, wo er für Wein entscheidend ist: im Boden.
Und vielleicht ist genau das die spannendste Geschichte des Vulkanlandes.
Man sieht die Vulkane nicht.
Aber man kann sie trinken.
Und die DEEP DIVE Episode findest Du hier:
Sowohl WEIN STEIERMARK,

als auch WEINTOURISMUS SÜDSTEIERMARK, ein ganz besonderes DANKESCHÖN

für die tolle Unterstützung und Begleitung.
