
Steiermark – Wissensebene: Weinmaking & Winzerporträts (Kurzfassung)
2024 Welschriesling „Alte Reben“ – Weingut Sattlerhof, Gamlitz, Südsteiermark
Weinmaking
Die Reben für den Welschriesling Alte Reben sind bis zu 55 Jahre alt, stehen auf Schotter, Sand und Muschelkalk und werden von Hand gelesen. Ein Teil der Trauben wird gerebelt und auf der Maische spontan vergoren, der Rest gepresst und im gebrauchten kleinen Holzfass ausgebaut. Nach rund einem halben Jahr auf der Vollhefe wird der Wein abgezogen und bis zur Füllung auf der Feinhefe im Stahltank belassen. In der Nase Apfelschale, gelbe Stachelbeere, Grapefruitzeste, ein Hauch Sesam; am Gaumen knochentrocken, salzig, mit spürbarer Mineralik, die an den Jura erinnert. Alexander und Andreas Sattler haben mit diesem Wein bewusst mehr Struktur und Wildheit gesucht als bei den übrigen Sattlerhof-Weinen.
Der Winzer
Das Weingut geht auf das Erzherzog-Johann-Haus von 1886 in Gamlitz zurück. Nach dem Tod des eigentlichen Erben übernahm der entfernt verwandte Wilhelm Sattler senior, aus einer Hammerschmieddynastie stammend, den Hof, nachdem er die Weinbauschule besucht und als Kellermeister der Domäne Wachau gearbeitet hatte. Ab den späten 1960ern produzierte er, gegen den Trend, trockene, naturbelassene Weine ohne Restzucker und Aufbesserung und galt später als Architekt des steirischen Weinwunders. Aus drei Hektar wurden bis heute 35 Hektar; sein Sohn Willi übernahm den Betrieb mit dem Auftrag, stets Spitzenbetrieb zu bleiben. Willi Sattler baute mit Frau Maria und vier Kindern das Weingut international aus, während Bruder Hannes das erste Haubenrestaurant der Südsteiermark eröffnete. 1977 kam die Ried Pfarrweingarten hinzu, ein historischer Weinberg auf Korallenkalk-Fels. Am Kranachberg, einer 200 Jahre alten Lage aus Schotter und Kalk, füllte Sattler als erster Betrieb der Region Sauvignon Blanc. Seit rund einem Jahrzehnt führen die Söhne Andreas (Keller) und Alexander (Weingärten, Umstellung auf respekt-BIODYN) das Weingut. Der Betrieb zählt zu den Falstaff-Fünf-Sterne-Weingütern und zu den 100 besten Weingütern der Welt. Seit 1887 in Familienbesitz, bewirtschaftet die Familie ihre Kleinparzellen bis heute konsequent von Hand.
2021 Morillon „Ried Nussberg Preschnigg“, Grosse STK – Weingut Gross, Ehrenhausen, Südsteiermark
Weinmaking
Ried Nussberg Preschnigg liegt südwestlich exponiert mit bis zu 70 % Hangneigung auf Kalkmergel (Opok) und Korallenkalk. Der Morillon (Chardonnay) wird komplett von Hand gelesen und verarbeitet, ohne kellertechnische Eingriffe. Das subpannonische Klima mit starken Tag-Nacht-Schwankungen erhält die Säure bei voller aromatischer Reife. Der Wein reift ohne festen Erscheinungstermin lange im Keller, bis er als Grosse-STK-Riedenwein fertig ist. Das Ergebnis ist dicht, mineralisch und auf Langlebigkeit statt Zugänglichkeit angelegt.
Der Winzer
Heinrich Gross legte 1907 mit dem Kauf des Weingartens am Witscheiner Herrenberg den Grundstein. Nach 1918 lag der Weingarten plötzlich in Slowenien, blieb aber im Familienbesitz, wurde 1945 enteignet und 1953 als „Historischer Doppelbesitz“ zurückgegeben. 1986 konnte die Familie den Nussberg zurückkaufen; der Vorbesitzer hinterließ eine Flasche „Nussberger“ von 1868. Alois und Ulrike Gross verschrieben sich ab den frühen 1980ern konsequent dem Qualitätsweinbau; Hugh Johnson nannte Alois einen perfektionistischen Erzeuger. 1995 entstand mitten im Nussberg der neue Kellerbau. Ab 2006 führten die Brüder Johannes und Michael den Betrieb gemeinsam. 2018 teilte sich das Weingut: Johannes und Martina Gross blieben in der Südsteiermark, Michael und Maria bewirtschaften als Vino Gross die 2005 erworbenen Weingärten in Slowenien. Gemeinsam treten die Geschwister unter dem Label „Gross & Gross“ auf. Das Weingut ist Gründungsmitglied der Steirischen Terroir- und Klassikweingüter (STK) und bewirtschaftet 37 Hektar rein weiße Rebsorten. Die Rückkehr zur Burgunderflasche und zum achteckigen Etikett der 1990er markiert die bewusste Rückbesinnung des Hauses.
Weingut Potzinger, Gabersdorf, Südsteiermark
Weinmaking
Motto: „Gewachsen. Nicht gemacht.“ – rund 20 Hektar verteilt über mehr als 200 km² Südsteiermark und Sausal. Gelesen wird mehrfach selektiv von Hand nach KIP-Richtlinien (kontrollierte integrierte Produktion). Riedenweine wie der Sauvignon Blanc „Joseph“ aus der seit 1208 dokumentierten Ried Sulz stammen aus spätgelesenen Trauben in kleinen Mengen. Ergänzt wird das Sortiment durch den Methode-traditionnelle-Sekt „Hommage 1860″. Die Weine sind vegan zertifiziert und für Mineralität, Frische und langes Reifepotential bekannt.
Der Winzer
Die Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, greifbar wird sie 1860 mit dem Kauf der Weingärten in Ratsch durch Josef List. Seither ununterbrochen in Familienbesitz, heute eines der am längsten familiengeführten Weingüter der Steiermark. Stefan Potzinger, Ururenkel des Gründers, übernahm 1997 im Alter von 22 Jahren, nach Ausbildung in Klosterneuburg. An seiner Seite steht Ehefrau Heidi, diplomierte Sommelière. Die Weingärten verteilen sich über Kitzeck-Sausal, Eichberg, Leutschach, Gamlitz und Ehrenhausen. Zu den besten Lagen zählen Ried Sulz (seit 1208), Kaltenegg, Oberburgstall, Kainberg, Kittenberg, Kogelberg und der Czamillonberg, ehemals Pfarrweingarten. Zu den Handelspartnern zählen Spar und Morandell. Der Betrieb beschäftigt rund zehn Mitarbeiter. Politische Besuche, etwa durch den Landeshauptmann-Stellvertreter, gehören zum öffentlichen Renommee des Hauses. Seit über 160 Jahren bleibt die Familie denselben Weinbergen treu.
2023 Sauvignon Blanc „AURON“, Ried Schemming, Grosse Lage – Weinhof Scharl, St. Anna am Aigen, Vulkanland Steiermark
Weinmaking
Ried Schemming liegt auf bis zu 450 Metern, der höchsten Lage von St. Anna am Aigen; von 21 Hektar bewirtschaftet Scharl rund 5 Hektar im „Herzstück“ der Riede. Der Boden ist vulkanisch, kalk- und basaltreich, südsüdwestlich exponiert. Nach dem dreistufigen Vulkanland-DAC-System wird der Auron als Riedenwein der höchsten Kategorie geführt. Der Wein reift rund 15 Monate im großen Holzfass, was Tiefe und Struktur bringt, ohne die Stachelbeer-Cassis-Aromatik zu überdecken. Verkoster beschreiben ihn regelmäßig als kompakt, mineralisch und facettenreich, mit Bewertungen zwischen 94 und 97 Punkten.
Der Winzer
Josef Scharl, erkennbar an seinem Kapperl, das auch die Etiketten ziert, bewirtschaftet rund 20 Hektar im Vulkanland. Neben klassischen Sorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay und Gelbem Muskateller setzt er konsequent auf PIWI-Sorten wie Muscaris, Cabernet Blanc und Souvignier Gris. Sein Credo: der Natur die besten Bedingungen geben, damit sie ihr Potential entfaltet. Die Weingärten liegen an den Südhängen des Annaberges und Schemmingkogels. Zum Betrieb gehören ein Buschenschank mit Terrasse und die Winzerzimmer in Plesch 45. Scharl ist Mitglied der Eruptionswinzer, einer Vereinigung für vulkanisches Terroir. Die Ried Schemming gilt als beste Lage von St. Anna am Aigen und als eine der renommiertesten der Steiermark. Scharl pflegt zudem eine Leidenschaft für Pinot Noir, die „Königsdisziplin“ des Weinmachens. Unter „Weine vom Mann im Mond“ führt er PIWI-Cuvées wie Souvignier Gris Mond und Muscaris Mond. Auszeichnungen von Falstaff und A la Carte bestätigen regelmäßig die Qualität des Betriebs.
2025 Schilcher „Ried Lestein“ – Weingut Trapl, St. Stefan/Stainz, Weststeiermark
Weinmaking
Der Schilcher entsteht aus Blauem Wildbacher, geschützt für die Steiermark, auf den Gneis-Schiefer-Lehmböden der Ried Lestein mit hohem Granatglimmerschiefer-Anteil. Verarbeitet wird rasch und schonend im geschlossenen Presssystem unter sauerstoffarmen Bedingungen. Die Gärung erfolgt in temperaturgesteuerten Edelstahltanks, die Reifezeit beträgt höchstens 18 Monate. Abgefüllt wird traditionell nur zu bestimmten Mondphasen nach alten Familienaufzeichnungen. Der Wein zeigt die typische knallrosa Farbe, kräftige Säure und Aromen von roter Johannisbeere und Himbeere.
Der Winzer
Der Name Trapl ist seit 1572 dokumentiert, seit 1765 ist der Hof im Besitz der Familie Oswald. Die Familie ist seit rund 400 Jahren in St. Stefan ob Stainz ansässig. Eduard Oswald modernisierte den Betrieb in den 1980ern von gemischter Landwirtschaft zum gewerblichen Weingut und wurde als „Schilcher-Legende“ bekannt. Zur historischen Ausstattung zählt eine Baumpresse von 1867. Die Ried Stainzer Schlossweingarten geht auf einen Versuchsweingarten von Erzherzog Johann um 1845 zurück. Die Ried Hochgrail wird seit über 100 Jahren von der Familie bewirtschaftet. 2015 stieg Neffe Fabian Bayr, ursprünglich aus dem Salzkammergut, in den Betrieb ein, 2020 übernahm er die Leitung. Er führt den Hof heute in 15. Generation mit Partnerin Andrea Winkler, unterstützt von Onkel Eduard. 2021 kreierte er eine eigene Weißwein-Cuvée für das Salzkammergut. Zum Betrieb gehört ein gut besuchter Buschenschank mit regionalen Spezialitäten.
Die Episode in welcher wir die Weine verkosten, findest Du gerne hier:
WEIN STEIERMARK und nicht minder

dem WEINTOURISMUSVERBAND SÜDSTEIERMARK

ein ganz besonderes Dankeschön, für die tolle Unterstützung, bei diesem Deep Dive
