
Was bleibt eigentlich von einem Gespräch mit einem großartigen Sommelier, wie Gunnar Tietz? Die Zahl der Flaschen ist es nicht, auch nicht die Liste der Regionen oder die Fachbegriffe, die man danach ohnehin halb wieder vergessen hat. Eher ein leicht verschobener Blick auf das, was vor einem auf dem Tisch steht. Man schaut danach ein bisschen länger auf ein Glas, so wie man nach einem guten Film länger aus dem Fenster der Straßenbahn schaut.
Gunnar Tietz, Wein-Guru und früher Sommelier im „First Floor“, hat mir diesen Blick ein Stück verschoben. Dafür möchte ich Danke sagen, und zwar ohne Girlande. Es gibt Gäste, die ein Gespräch absolvieren, und es gibt solche, bei denen man merkt, dass sie dabei sind. Bei diesem Gespräch war es für mich die zweite Sorte.
Ein Beruf am Tisch besteht zu großen Teilen aus Dingen, die niemand fotografiert: zuhören, beobachten, abschätzen, ob jetzt ein Satz passt oder lieber keiner. Manchmal besteht er darin, ein Glas einfach sprechen zu lassen. Das lernt man nicht aus einem Lehrbuch. Man lernt es an vielen Abenden, an denen es gut ging, und an einigen, an denen es das nicht tat. Dass jemand darüber offen redet, ist weniger selbstverständlich, als es klingt.
Wein hat am Ende selten nur mit Wein zu tun. Er hat mit dem Essen zu tun, mit dem Raum, in dem man sitzt, mit der Person gegenüber und mit dem Tag, den man hinter sich hat. Wer das einmal bemerkt hat, trinkt anders. Nicht klüger, eher aufmerksamer. Das ist ein bescheidenes Ergebnis, und ich halte es für ein ziemlich gutes.
Deshalb freut es uns, dass Gunnar jetzt zur Podcastfamilie gehört. Ich weiß, wie so ein Satz klingen kann, nämlich nach Pressemappe und Sektempfang. Gemeint ist etwas Schlichteres: Hier steht jetzt ein Stuhl mehr am Tisch, und wir sind froh, dass er besetzt ist.
Danke, Gunnar, für die Zeit und für die Offenheit. Und dafür, dass dieses Gespräch nicht beim letzten Satz aufgehört hat, sondern in meinem Kopf noch ein Stück weitergelaufen ist, so wie man auf dem Heimweg noch ein paar Straßen zu Fuß geht, obwohl der Bus längst gekommen wäre.
Mit Gunnar Tietz könnte man ziemlich lange am Tisch sitzen. Die Folge ist dafür ein guter Anfang.
Wenige haben so viel Erfahrung, wie Gunnar Tietz, dieser Kollege hat es:
Und wir durften bei dieser Episode richtige Weltklasseproduzenten präsentieren, wofür wir unglaublich dankbar sind:

