
Es gibt Berufe, bei denen das Beste unsichtbar bleibt. Der Sommelier ist so einer. Du sitzt am Tisch, jemand stellt eine Flasche ab, sagt zwei Sätze, und du denkst: Passt. Dass in diesen zwei Sätzen ein halbes Berufsleben steckt, merkst du nicht. Dass vorher jemand dein Zögern bei der Karte gelesen, deinen Teller im Blick behalten und dein Budget erraten hat, ohne dass es peinlich wurde, auch nicht. Wenn es gut läuft, merkst du gar nichts. Das ist die Pointe des Berufs, und sie ist ein bisschen gemein.
Schiedsrichter kennen das. Auffallen darf man nur, wenn man Mist baut.
Morgen erscheint die neue Folge von SOMMELIER, und mein Gast ist jemand, der diesen Beruf an einem Tisch gelebt hat: Gunnar Tietz, früher Sommelier im Restaurant „First Floor“. Der Titel, der ihm vorauseilt, lautet „Wein-Guru“. Ich lasse ihn erst mal so stehen. Bei Gurus bin ich grundsätzlich vorsichtig, bei Weinleuten erst recht, aber gegen einen schönen Titel hat noch niemand etwas gehabt.
Mehr schreibe ich hier bewusst nicht über ihn. Lebensläufe kannst du dir woanders ansehen, und die erzählt er ohnehin besser selbst. Mich hat bei diesem Gespräch etwas anderes beschäftigt, und das ist vermutlich auch deine Frage, wenn du ehrlich bist: Was passiert da eigentlich in den Sekunden, bevor ein Sommelier den Mund aufmacht? Woran merkt jemand, ob du einen Wein erklärt haben willst oder einfach nur ein Glas, das schmeckt? Und wann ist das eine so viel besser als das andere?
Ich habe keine Ahnung, ob das jemals jemand ausformuliert hat. Meistens passiert es nebenbei, zwischen Vorspeise und Hauptgang, und hinterher weiß keiner mehr, wie es kam. Genau deshalb finde ich es spannend, mit jemandem darüber zu reden, der das nicht aus Büchern kennt.
Falls du Weinabende bisher eher als Prüfung erlebt hast, bei der man die richtigen Wörter kennen muss, bist du hier vermutlich richtig. Falls du Weinabende liebst, bist du es sowieso. Und falls dir Wein im Grunde egal ist und du nur wissen willst, warum manche Leute so ein Theater darum machen: auch willkommen. Ich habe da selbst noch ein paar offene Fragen.
Was in der Folge genau passiert, verrate ich dir nicht. Das gehört zum Spiel, und es ist besser so.
Morgen früh ist die Folge da. Such dir einen Moment, in dem du nichts anderes zu tun hast, und stell dir ein Glas daneben. Was drin ist, sagt dir vorher kein Mensch.
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