
Vier Gläser. Vier Geschichten. Und wenn du aufmerksam genug bist, hörst du in jedem einzelnen davon die Central Coast atmen.
Tablas Creek, 2018 Esprit de Tablas
Es begann mit einer Freundschaft und einem Traum, der eigentlich verrückt war. 1989 gründeten die Perrin-Familie von Château de Beaucastel und die Haas-Familie von Vineyard Brands gemeinsam Tablas Creek – nach vier Jahren Suche nach dem perfekten Terroir fanden sie es in Paso Robles, wegen seiner Ähnlichkeit zur südlichen Rhône. Sie importierten Rebstecklinge direkt aus Beaucastel. Sie pflanzten Mourvèdre in kalifornischen Kalksteinboden. Und dann warteten sie. Das Ergebnis ist ein Blend aus 40 Prozent Mourvèdre, 27 Prozent Syrah, 23 Prozent Grenache und 10 Prozent Counoise – elegant-floral auf der Nase, lavendelgeprägt, mit lila Frucht, weißem Pfeffer, taufrischen Kräutern und einem Hauch nassen Steins. Der Esprit de Tablas reift in 1.200-Liter-Foudres und entwickelt sich über zwei Jahrzehnte. Dies ist kein Wein für heute Abend. Dies ist ein Wein für Geduld.
Ridge Vineyards, 2023 Estate Chardonnay
Auf dem Monte Bello, 15 Meilen vom Pazifik entfernt, auf Höhenlagen zwischen 400 und über 800 Metern, in gebrochenem Kalksteinuntergrund, wächst seit 1962 Chardonnay. 2023 war das kühlste und längste Erntejahr der jüngeren Geschichte – die Trauben wurden erst Ende Oktober gelesen. Was dabei entstand, nannte Kritiker Jeb Dunnuck schlicht einen „Unicorn-Wein“ – 100 Punkte, außergewöhnliche Eleganz und Mineralität, eine natürliche Säure, die man normalerweise nur in den kühlsten Jahrgängen findet. Nach Fassgärung reifte der Wein neun weitere Monate auf der Hefe – und heraus kam ein Chardonnay, der weder brüllt noch flüstert, sondern einfach da ist. Ruhig. Vollständig. Wie ein gut geschriebener erster Satz.
Au Bon Climat, 2020 Pinot Noir Santa Maria
Jim Clendenen fuhr 1976 nach Burgund. Er kam als anderer Mensch zurück. Er gründete 1982 Au Bon Climat und setzte Santa Barbara als Quelle für erstklassigen Pinot Noir auf die Landkarte – mit einem Stil, der Zurückhaltung über Extraktion stellt, Langlebigkeit über Lautstärke. Das Erntejahr 2020 bescherte Zentral- und Südkalifornien eine außergewöhnliche Saison: lang, gleichmäßig, mit normalem Ertrag. Bien Nacido Vineyard, erstes und bedeutendstes Weingut im Portfolio, liegt am nördlichen Ende von Santa Barbara County – die Meereseinflüsse sind spürbar, auch wenn der Ozean nur von den umliegenden Hügeln aus sichtbar ist. Clendenen starb 2021. Dieser Pinot ist sein Abschiedsbrief an die Branche – und was für einer.
DAOU Vineyards, 2022 Cabernet Sauvignon
Als Kinder verließen die Brüder Georges und Daniel Daou alles, nachdem eine Rakete im Bürgerkrieg 1973 ihr Haus traf und beide verletzte. Die Familie floh, landete in Bordeaux, wo die Brüder als Ingenieure ihr Vermögen machten. 2007 kauften sie einen verlassenen Berg in Paso Robles. DAOU Mountain liegt auf 670 Metern im Adelaida District, mit Hangneigungen von bis zu 56 Prozent, 14 einzigartigen Cabernet-Sauvignon-Klonen und kalkhaltigem Tonboden, der die rechte Bank Bordeaux‘ spiegelt. Der 2022er – 82 Prozent Cabernet Sauvignon, 12 Prozent Cabernet Franc, 6 Prozent Petit Verdot, 22 Monate in 100 Prozent neuem französischen Eichenholz – zeigt Veilchen, Maulbeere, rife schwarze Johannisbeere und eine samtene, schwere Textur, die nicht loslässt.
Kein Wein beweist, was die Central Coast ist. Aber vier zusammen? Da fängt die Region an, sich selbst zu erklären.
Ähnlich und doch auf eine ganz andere Weise facettenreich ist, das Sonoma – höre doch mal rein:

