
Es gibt Menschen, denen Du beim Reden zuhörst, und plötzlich merkst Du, dass Du Durst bekommen hast. Sebastian Russold ist so einer.
Stell Dir vor, jemand fängt als Barkeeper an – in Berchtesgaden, hinter dem Tresen des Intercontinental, wo der Gast in der Regel Bier oder Gin Tonic will und sich für Wein bestenfalls dann interessiert, wenn er schon drei hatte. Und genau dieser jemand arbeitet sich durch einige der anspruchsvollsten Küchen Europas: das Restaurant Ikarus in Salzburg, bekannt dafür, dass dort jeden Monat ein anderer Spitzenkoch das Sagen hat. Das Jacobs Restaurant in Hamburg mit seinen legendären deutschen Rieslingen und dem Blick auf die Elbe. Die Schwarzwaldstube in Baiersbronn – drei Michelin-Sterne, kein Ort für Halbherziges. Schließlich noch die Saziani Stub’n in der Südsteiermark, wo österreichische Terroir-Weine nicht als Beilage, sondern als Protagonisten funktionieren.
2018 wird er zum besten Jungsommelier Deutschlands gewählt. 2021 holt er den Titel „Bester Sommelier Deutschlands“ – souverän, sagt die Jury. Was das konkret bedeutet? Man bekommt im Finale Aufgaben, die der Alltag einem sowieso stellt: einen Weinpreis rechtfertigen, einen Käseteller erläutern, Apéros korrekt servieren. Wer dabei nicht zuckt, hat die Nerven von jemandem, der weiß, dass das Handwerk sitzt.
Aber das ist nur die Oberfläche. Was mich an Sebastian Russold wirklich interessiert – und was ich morgen mit ihm besprechen werde – ist ein anderer Anspruch. Einer, den er selbst einmal so beschrieben hat: Genuss zeigt sich nicht nur in der Qualität eines Produktes, sondern auch im richtigen Zeitpunkt und der richtigen Gesellschaft. Das klingt harmlos, ist aber eigentlich eine kleine Revolution gegen all jene Sommeliers, die Wein als Prüfung inszenieren, statt als Einladung.
Es geht ihm um Dreiklang: Genuss, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit. Kein Elfenbeinturm, keine Weinkarte, die man erst mit einem Lexikon entschlüsseln muss. Stattdessen Wein als etwas, das zur Küche passt, zum Gast, zum Moment. Und das ohne die schwere Miene eines Mannes, der Dir zu erklären versucht, warum Du Deinen Burgunder falsch trinkst.
Seit 2025 gibt er dieses Denken auch an der Deutschen Hotelakademie weiter – als Studientutor für angehende Sommeliers. Sein erklärtes Ziel: Wissen mit Augenhöhe vermitteln. Nicht von oben herab, nicht mit dem Zeigestock, sondern mit der Haltung, dass Freude am Wein das Fundament ist, auf dem alles andere erst möglich wird.
Was ihn von vielen anderen in diesem Beruf unterscheidet, lässt sich schwer in eine Überschrift pressen. Vielleicht ist es das: Er hat verstanden, dass ein guter Sommelier nicht derjenige ist, der am meisten weiß – sondern derjenige, der am besten spürt, was der Abend gerade braucht. Morgen reden wir darüber, wie das geht. Und warum es manchmal weniger Dogma und mehr Dialog braucht.
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