
Münster hat geliefert.
Unangekündigt, ohne Vorlauf, mit dieser entspannten Selbstverständlichkeit, die Menschen ausstrahlen, die genau wissen, was sie tun – und warum sie es tun. Katrin Berboth saß am Mikrofon und hat einfach angefangen zu reden. Kein Warming-up, kein vorsichtiges Abtasten. Direkt rein ins Thema. So, wie man eine Flasche öffnet, die man schon hundert Mal geöffnet hat und die trotzdem jedes Mal anders riecht.
Das war das Schönste an dieser Folge.
Wenn Wissen und Freude dieselbe Sprache sprechen
Platz 8 der Rolling Pin Awards unter Deutschlands 50 besten Sommeliers – eine Zahl, die für sich spricht. Was sie nicht verrät: mit wie viel Lust jemand diesen Weg gegangen ist. Katrin Berboth trägt ihr Fachwissen nicht wie eine Rüstung, sondern wie ein gut geschnittenes Jackett – es sitzt, es passt, es fällt auf, ohne aufzufallen.
Und wenn sie über Wein spricht, merkt man: Das hier ist kein Beruf, der ausgeübt wird. Das ist einer, der gelebt wird.
Zwei Sterne, ein Prinzip
Das Coeur d’Artichaut verbindet in Frédéric Morels Küche Bretagne, Westfalen und kreolische Einflüsse aus La Réunion – ein Dreieck, das kulinarisch eigentlich keinen Sinn ergibt und geschmacklich vollkommen aufgeht. Katrin Berboth begleitet das mit einer Weinauswahl, die so präzise auf die Aromatik der Gerichte abgestimmt ist, dass Kraft und Stimmigkeit ineinandergreifen.
Was das im Alltag bedeutet: jeden Abend neu entscheiden. Wer sitzt da? Was braucht dieser Mensch heute – nicht grundsätzlich, sondern heute? Großes Handwerk steckt genau in dieser Frage. Nicht in der Antwort, die man auswendig gelernt hat. In der, die man im Moment findet.
Das Aufrichtige als Stilmittel
Was dieses Gespräch von vielen anderen unterschieden hat, war eine Qualität, die im Weinservice oft unterschätzt wird: Direktheit. Katrin Berboth redet nicht um den heißen Brei herum. Wenn etwas nicht passt, sagt sie es. Wenn ein Gast auf dem falschen Dampfer ist, lenkt sie – freundlich, aber klar. Das ist keine Unhöflichkeit. Das ist Respekt. Der Respekt, einen Menschen ernst genug zu nehmen, um ehrlich mit ihm zu sein.
In einer Branche, die manchmal mehr mit Fassade beschäftigt ist als mit Inhalt, ist das eine Haltung. Eine seltene.
Und jetzt?
Jetzt ist die Folge draußen, das Gespräch gespeichert, und wir merken wieder, warum wir diesen Podcast machen. Für genau solche Begegnungen. Für Menschen, die ihren Beruf so leben, dass man danach selbst Lust bekommt, besser hinzuschauen – auf das Glas, auf den Gast, auf den Moment.
Danke, Katrin. Für die Offenheit, die Energie und jede einzelne Antwort, die weitergedacht hat als die Frage davor. Wir sind dankbar, dass sie jetzt zur Podcastfamilie gehört.
Das Artischockenherz schlägt jetzt auch hier.
Dich hat die Folge begeistert? Dann gibt es hier eine weitere:
Ein riesengroßes Dankeschön an das Haus Etter und die ITA, das wir diese präsentieren dürfen:

