
Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der bedient, und jemandem, der sieht. Nach dem Gespräch mit Iris Giessauf weiß ich, auf welcher Seite dieser Linie sie steht, und ich glaube, das ist der eigentliche Grund, warum dieses Gespräch bei mir nachwirkt.
Gastgeberschaft wird oft als etwas Lautes verstanden. Als Herzlichkeit, die man zeigt, als Aufmerksamkeit, die man performt. Bei Iris ist es eher eine stille Fähigkeit: Räume und Menschen wahrzunehmen, ohne dass daraus ein Auftritt wird. Man merkt es an Kleinigkeiten. Daran, wie sie ein Gespräch führt, ohne es zu dominieren. Daran, wie sie über Wein spricht, ohne ihn zu einem Statussymbol zu machen. Genuss beginnt bei ihr nicht beim Etikett, sondern bei der Person, die gegenübersitzt.
Diese Verbindung von Herzlichkeit und Können ist selten geworden, gerade in einer Zeit, in der echte Begegnungen zwischen Menschen zunehmend zur Ausnahme werden statt zur Regel. Ein Gasthaus, in dem man noch gesehen wird, bevor man etwas bestellt, ist deshalb mehr als ein Ort zum Essen und Trinken. Es ist ein kleiner Gegenentwurf zu vielem, was in der Gastronomie inzwischen selbstverständlich geworden ist: Effizienz vor Aufmerksamkeit, Umsatz vor Beziehung.
Iris bewegt sich zwischen beidem, ohne eines davon zu opfern. Sie ist klar in dem, was sie will, und trotzdem offen für das, was ein Abend tatsächlich braucht. Diese Balance lässt sich schwer lehren. Man hat sie, oder man sucht noch danach.
Wir sind dankbar, dass Iris Giessauf jetzt Teil unserer Podcastfamilie ist. Nicht, weil sie eine besonders eindrucksvolle Biografie mitbringt, sondern weil sie etwas zeigt, das man in Gesprächen über Wein zu selten hört: dass am Ende immer der Mensch entscheidet, wie ein Glas schmeckt, mit wem man es teilt, unter welchem Licht, nach welchem Tag.
Es gibt Berufe, in denen man lernt, Wein zu erklären. Und es gibt Menschen, die einem stattdessen zeigen, warum man ihn überhaupt trinkt. Für dieses Gespräch, für die Offenheit und für die Zeit, die sich Iris genommen hat, möchte ich mich bedanken. Nicht mit großen Worten, sondern mit der einfachen Feststellung, dass gute Gasthäuser und die Menschen dahinter wichtiger sind, als ihnen die Branche manchmal zugesteht.
Danke, Iris. Für ein Gespräch, das mehr über Gastfreundschaft erzählt hat als jedes Lehrbuch es könnte.
Kölner Weinfrauen. Kennst Du schon die Episode von Valentine Mühlberger?
Eine große Ehre, wenn uns bei einer solchen Episode so außergewöhnliche Produzenten zur Seite stehen und uns unterstützen. Vielen lieben Dank dafür:

