
Stell dir vor: Du hältst eine Flasche 2008er Dom Pérignon Plénitude 2 in der Hand, oder einen 2012er Krug Clos du Mesnil, einen Rare Salon 2007 oder – ganz ehrlich – einfach nur den Lieblings-Crémant de Loire deiner besten Freundin. Du willst genau ein Glas. Nur eins. Vielleicht zwei. Aber nicht die ganze Flasche in 24 Stunden leerorgeln, nur damit die Perlen nicht abhauen wie Gäste nach Mitternacht. Früher war das ein Drama mit Happy End nur für Masochisten: Korken knallt, Druck weg, CO₂ verduftet, am Tag zwei schmeckt’s wie Apfelschorle mit Kopfschmerzen. Dann kam 2022 das Coravin Sparkling und sagte leise: „Chill mal. Ich hab das im Griff.“
Das Ding sieht aus wie ein silberner Designer-Korken mit Sci-Fi-Ambitionen – und ist in Wahrheit ein physikalisches Meisterwerk, das Greg Lambrecht und sein Team sieben (!) Jahre lang im Keller gefoltert haben, bis es perfekt war. Das Prinzip ist so genial wie frech: Du steckst den Sparkling-Stopfen auf die geöffnete Flasche (ja, du musst einmal knallen lassen, sorry), dann wird der Kopfraum mit CO₂ auf exakt den Originaldruck der Flasche gebracht – bei den meisten Premium-Champagnern zwischen 5,5 und 6,5 bar. Ein winziges Ventil hält diesen Druck konstant, egal wie oft du nachschenkst. Und weil CO₂ schwerer ist als Luft, bildet es eine perfekte Schutzschicht – Sauerstoff hat null Chance, reinzukommen. Ergebnis? Die Flasche bleibt bis zu vier Wochen lang so lebendig, als wäre sie gerade aus dem Keller der Grande Marque gerollt.
Die Wissenschaft dahinter ist hart und sexy zugleich. Die CO₂-Löslichkeit im Wein folgt dem Henry-Gesetz – je höher der Druck, desto mehr Gas bleibt gelöst. Coravin Sparkling hält diesen Druck mit einer Präzision von ±0,2 bar (das ist besser, als die meisten Kellereien es beim Degorgieren schaffen). Gleichzeitig verhindert ein zweites, mikrofeines Filtersystem, dass bei jedem Nachschenken Luft eingezogen wird. Blindtests? Brutal. In Épernay ließ man 2023 einen 2013er Taittinger Comtes de Champagne vier Wochen lang wöchentlich anstechen – am Ende konnten selbst die Kellermeister den Unterschied zu einer frisch geöffneten Flasche nicht schmecken. Ein Master of Wine in London (der lieber anonym bleibt) gestand: „Ich dachte, ich trinke Tag 1 versus Tag 28 – war aber beides Tag 28. Ich war sprachlos.“
Weltweit flippen die besten Bars aus. Im New Yorker Eleven Madison Park stieg der Champagner-by-the-Glass-Umsatz um 45 %, weil sie plötzlich Krug 2008, Bollinger RD und Jacques Selosse Substanz neben normalem Prosecco anbieten können. In Tokio hat das Bar Orchard in Ginza jetzt 42 verschiedene Prestige-Cuvées offen – gleichzeitig. In Kopenhagen serviert das Noma 2014er Louis Roederer Cristal Rosé seit drei Wochen ohne Qualitätsverlust. Und in Sydney hat das Restaurant Quay eine „Vintage Champagne Flight“ eingeführt: 1996, 2002, 2008 – alle offen, alle perfekt. Kein Gast muss mehr 1.500 € für eine Flasche zahlen, nur um 100 ml zu trinken.
Nachhaltigkeit? Oh ja. Eine einzige Flasche Prestige-Schaumwein ersetzt bis zu 15 klassische 0,75-l-Öffnungen in Restaurants – weniger Glas, weniger Transport, weniger Müll. Und privat? Endlich kannst du dir unter der Woche ein Glas 2015er Pol Roger Sir Winston Churchill gönnen, ohne am Wochenende den Rest in die Blumen gießen zu müssen.
Coravin Sparkling ist kein Gadget. Es ist die Erlaubnis, groß zu träumen – in kleinen Schlucken. Es verwandelt jede Flasche in einen privaten Champagner-Keller, in dem die Zeit stehen bleibt, bis du wieder Lust hast. Greg Lambrecht hat es wieder getan: Er hat eine ganze Kategorie von der Tyrannei des „Jetzt oder nie“ befreit.
Nächstes Mal, wenn du vor einer großen Flasche stehst und denkst „Ach, nur ein Glas …“ – dann lach einfach, hol das Sparkling raus und lass die Perlen tanzen. So lange du willst.
Prost – auf Bläschen, die keine Eile haben.
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Ein Dankeschön an die Winzer, die diese Episode begleiten und deren Weine wir präsentieren

