Die Rebsorten Portugals – ein chaotisches Familienfest mit über 250 Gästen, die alle laut mitreden wollen
Stellen Sie sich vor: Portugal hat mehr autochthone Rebsorten als die meisten Länder Trauben im Weinberg – über 250, manche Quellen sagen sogar 500! Und das auf einem Fleckchen Land, das kleiner ist als manche deutsche Bundesländer. Warum so viele? Weil die Portugiesen stur sind: Während der Rest der Welt Chardonnay und Cabernet pflanzt, halten sie an ihren alten Schätzen fest. Isolation durch Diktatur, Phylloxera-Katastrophe und einfach pure Leidenschaft haben diese Vielfalt gerettet. Die meisten Weine sind Cuvées, weil eine einzige Sorte selten perfekt ist – wie ein gutes Fußballteam braucht es Stars und Teamplayer.
Fangen wir bei den Roten an, den Machos des portugiesischen Weinbaus.
Touriga Nacional – die unumstrittene Königin, die Diva mit den dicken Beeren und dem floralen Parfüm. Kleine Trauben, niedriger Ertrag, aber oh là là: Veilchen, Brombeeren, Bergamotte und Tannine, die ewig halten. Ursprünglich aus dem Dão, heute überall, aber im Douro die Seele des Portweins und der trockenen Rotweine. Sie ist anspruchsvoll wie eine Primadonna – hasst Nässe, liebt Schiefer – und belohnt mit Komplexität, die Pinot Noir neidisch macht.
Touriga Franca – die fleischige Schwester, oft verwechselt mit „Francesa“ (französisch? Fehlanzeige!). Die meistgepflanzte Sorte im Douro, robust, fruchtig, mit roten Beeren und exotischen Blumen. Sie bringt Volumen und Eleganz in Port-Blends – ohne sie wäre vieles flach.
Tinta Roriz (auch Aragonês im Süden, Tempranillo bei den Spaniern) – der zuverlässige Kumpel. Viel Ertrag, beerig, würzig, strukturiert. Im Douro für Körper, im Alentejo für reife Frucht. Nicht ganz autochthon, aber so integriert, dass niemand meckert.
Baga – der harte Kerl aus Bairrada. Säure und Tannine wie ein Boxer, braucht Jahre, um weich zu werden. Dann: Kirschen, Pfeffer, Langlebigkeit. Perfekt für Schaumwein oder lagerfähige Rotweine – ein Klassiker, den moderne Winzer wiederentdecken.
Weitere Douro-Stars für Port: Tinta Barroca (früh reifend, fruchtig), Tinto Cão (der „Hund“, rar, aber aromatisch), Sousão (tief färbend, säurebetont, sorgt für Frische).
Im Alentejo dominieren Trincadeira (würzig, hitzetauglich) und Castelão (fruchtig, unkompliziert).
Nun die Weißen – frisch, knackig, oft unterschätzt.
Alvarinho – die Nobeldame aus Vinho Verde (Albariño in Spanien). Zitrus, Pfirsich, Mineralität, hohe Säure. Im Norden prickelnd jung, sortenrein ein Traum.
Arinto (Pedernã im Norden) – der Alleskönner. Hohe Säure, Zitrus, Apfel, altert hervorragend. Überall vertreten, von Bucelas bis ins Alentejo – der Garant für Frische.
Dazu Loureiro (lorbeerartig aromatisch), Encruzado (Dão-Star, cremig, komplex) und Fernão Pires (aromatisch, leicht moschusartig).
Traditionell mischen die Portugiesen alles in Feldblends – alte Weinberge mit Dutzenden Sorten durcheinander.
Heute gibt es mehr sortenreine Weine, aber die Magie liegt in der Vielfalt. Portugal ist die Schatztruhe Europas – probieren Sie mal eine unbekannte Sorte wie Rabigato oder Viosinho. Sie werden schmunzeln: Warum nur Cabernet, wenn es so viel Besseres gibt? Saúde!
Noch mehr Nancy?
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