
Jetzt wird’s richtig tief – und richtig spannend. Hier kommt die Geschichte des Napa Valley als fetter, saftiger Fließtext mit allen wichtigen Jahreszahlen. Kein trockenes Geschichtsbuch, sondern der pure Drama-Krimi einer Region, die mehrmals fast gestorben und dann zur Legende geworden ist.
Alles fing 1839 an, als der Siedler George C. Yount die ersten Reben in den Boden steckte – noch für den Eigenbedarf, Mission-Trauben, nichts Kommerzielles. 1858 legte John Patchett den ersten echten kommerziellen Weinberg an, und 1861 eröffnete Charles Krug die erste richtige kommerzielle Winery in Napa. Das war der Startschuss. Plötzlich schossen die Betriebe wie Pilze aus dem Boden: 1862 Schramsberg, 1876 die Beringer-Brüder, 1879 Inglenook. Bis 1880 gab es schon über 140 Wineries, 1889 sogar mehr als 140 – das Tal boomte wie verrückt.
Doch dann kam der erste große Tiefschlag: Ende der 1880er, spätestens in den 1890er Jahren traf die Phylloxera-Plage Napa mit voller Wucht. Über 80 Prozent der Reben starben ab. Die Preise crashten, viele Winzer gaben auf. Das Tal erholte sich nur mühsam – und wurde dann 1920 von der nächsten Katastrophe getroffen: Prohibition. Von einem Tag auf den anderen durfte fast kein Wein mehr verkauft werden. Die meisten Wineries schlossen, viele Weinberge wurden zu Walnuss- oder Obstplantagen umgewandelt. Nur eine Handvoll überlebte mit sakramentalem Wein für die Kirche oder durch Tricksereien.
1933 kam die Aufhebung der Prohibition – doch die Große Depression machte den Neustart schwer. Erst in den 1940er Jahren ging es langsam bergauf. 1944 schlossen sich sieben Winzer zur Napa Valley Vintners zusammen, um gemeinsam Qualität zu pushen. In den 1960er Jahren wurde es richtig spannend: 1966 eröffnete Robert Mondavi seine eigene Winery – die erste große Neugründung nach der Prohibition. Das war der Startschuss für die moderne Ära.
Und dann kam der 24. Mai 1976 – der absolute Game-Changer: Beim berühmten Judgment of Paris schlugen kalifornische Weine blind die besten Franzosen. Chateau Montelena 1973 Chardonnay gewann bei den Weißen, Stag’s Leap Wine Cellars 1973 Cabernet Sauvignon bei den Roten. Die französischen Juroren waren geschockt, die Weinwelt stand kopf. Plötzlich war Napa nicht mehr „irgendwas aus Kalifornien“, sondern ernstzunehmender Rivale zu Bordeaux und Burgund.
1981 krönte sich das Ganze offiziell: Napa Valley wurde als erstes AVA Kaliforniens anerkannt – und damit zum Vorbild für das ganze amerikanische Appellationssystem.
Seitdem ging es steil bergauf. In den 1980er und 1990er Jahren explodierten die Investitionen, neue Wineries schossen aus dem Boden, die Preise für Trauben und Flaschen kletterten in schwindelerregende Höhen. Napa überlebte sogar eine zweite Phylloxera-Welle in den 1980er/90er Jahren (diesmal mit resistenten Unterlagen), baute seine 17 Sub-AVAs aus und wurde zum Mekka für Wein-Tourismus und Luxus.
Heute, fast 200 Jahre nach Younts ersten Reben, ist Napa der lebende Beweis, dass eine Region mehrmals am Abgrund stehen und trotzdem zur Ikone werden kann. Von einem kleinen Tal mit ein paar Pionieren zu einem der teuersten und begehrtesten Weinorte der Welt – in nur wenigen dramatischen Jahrzehnten.
Und das Schönste? Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Morgen graben wir weiter – versprochen, es wird noch wilder.
Prost, du Verrückter – und bleib durstig und neugierig!
Und die Geschichte von Kalifornien im Deep Dive mit Florian Richter.
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