
Die Geschichte des portugiesischen Weinbaus – Ein tropfendes Epos voller Reben, Revolutionen und ein bisschen Rebellion
Stellen Sie sich vor: Vor über 4000 Jahren sitzen ein paar Tartessier am Tejo-Fluss, kauen auf wilden Trauben herum und denken: „Das Zeug fermentiert ja von allein – warum nicht mehr davon pflanzen?“ So begann alles, lange bevor Portugal überhaupt Portugal hieß. Dann kamen die Phönizier, diese cleveren Händler aus dem Libanon, um 1000 v. Chr., brachten ordentliche Rebstöcke mit und zeigten, wie man richtig Wein macht. Die Griechen mischten mit, die Kelten tranken mit, und als die Römer einmarschierten, explodierte der Weinbau richtig: Lusitanien wurde zur Weinprovinz, Amphoren stapelten sich, und der Douro sah seine ersten Terrassen. Die Römer nannten das Land nach Lusus, dem Sohn des Bacchus – weil Wein hier einfach göttlich war.
Dann kamen die Mauren im 8. Jahrhundert, die streng gläubig waren und Alkohol verboten. Aber hey, sie mochten Landwirte! Der Weinbau schlummerte weiter, Trauben wurden gepflegt, und als die Christen zurückeroberten (bis 1249), wachten die Mönche auf: Zisterzienser und Benediktiner pflanzten wie verrückt, bauten Klöster und perfektionierten die Kunst. Wein war plötzlich heilig – für die Messe natürlich, aber auch für den Alltag.
Mittelalterlicher Exportboom: Ab dem 12. Jahrhundert schipperten portugiesische Weine nach England. Der Treaty of Windsor 1386 besiegelte die älteste Allianz der Welt – und öffnete den Briten die Schleusen für portugiesischen Rotwein. Als die Engländer mit den Franzosen stritten, stiegen die Zölle auf Bordeaux, und plötzlich boomte der Douro: Britische Händler kauften alles auf. Um den Wein die lange Seereise überstehen zu lassen, kippten sie Brandy rein – hallo, Portwein! Im 17. Jahrhundert wurde das zur Regel, und der süße, starke Tropfen eroberte die Welt.
Aber dann kam der Marquês de Pombal, dieser energische Typ nach dem Lissabon-Erdbeben 1755. Er dachte: „Genug mit dem britischen Monopol und dem gepanschten Zeug!“ 1756 gründete er die erste demarcated Region der Welt – den Douro – mit Grenzsteinen, Qualitätskontrollen und einer staatlichen Company. Port wurde geschützt, Preise festgelegt, und plötzlich war Portugal Vorreiter in Appellationen. (Die Briten waren sauer, aber der Wein besser.)
Nicht zu vergessen: Vinho Verde im Norden, frisch und prickelnd seit römischer Zeit, oder Madeira, das auf der Insel entdeckt wurde, dass Hitze und Schaukeln auf Schiffsreisen den Wein unsterblich machen. Ab dem 18. Jahrhundert fortifiziert, wurde es zum Liebling der Amerikaner – sogar bei der Unabhängigkeitserklärung floss es.
Doch dann die Katastrophe: Im 19. Jahrhundert kam Phylloxera, diese winzige Laus aus Amerika, fraß Wurzeln und zerstörte fast alles. Portugal litt früh und hart, Rebflächen halbiert. Rettung: Pfropfen auf amerikanische Unterlagen. Viele alte Reben starben, aber Portugal behielt über 250 autochthone Sorten – mehr als irgendwo sonst.
Im 20. Jahrhundert: Diktatur, Massenproduktion, billiger Rosé wie Mateus. Nach der Nelkenrevolution 1974 und EU-Beitritt 1986 kam die Renaissance: Junge Winzer, moderne Technik, Fokus auf Qualität. Heute glänzt Portugal mit trockenen Douro-Rotweinen, eleganten Alentejo und immer noch den Klassikern Port und Madeira.
Fazit: Portugals Weinbau ist wie ein guter Alter – reif, komplex, mit ein paar Narben von Phylloxera und Pombal, aber unkaputtbar. Er hat Phönizier überlebt, Mauren getrotzt, Briten verführt und Krisen überstanden. Und das Beste: Er schmeckt immer noch göttlich. Prost – oder wie der Portugiese sagt: Saúde!
Ach und Nancy’s Geschichte findest du hier:
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