
Platz 8. Von insgesamt fünfzig. Mit Mitte zwanzig.
Lass das kurz sacken.
Die Rolling Pin Awards 2025 listen Katrin Berboth unter den „50 Best Sommeliers Germany“ – auf Platz 8. Kein Trostpreis, keine Kategorie für „Nachwuchs“ oder „Hoffnungsvolle Talente unter 30“. Platz 8 im nationalen Ranking, unter allen, die diesen Beruf ernsthaft ausüben. Das ist der Moment, in dem man aufhört, das Wort „jung“ als Einschränkung zu gebrauchen, und anfängt, es einfach wegzulassen.
Die neue Podcastfolge ist heute draußen. Und sie zeigt, warum solche Zahlen zwar beeindrucken – aber nicht erklären.
Von Odenthal über Pulheim nach Münster – jede Station ein Lehrsatz
Weinwissen entsteht nicht im Seminarraum. Es entsteht dort, wo Flaschen geöffnet, Gäste erwartet, Gerichte gekostet werden. Katrin Berboth brachte bei ihrem Start im Coeur d’Artichaut bereits das WSET Level 3 mit – vermutlich als Jüngste auf diesem Niveau in Deutschland. Dahinter steckt eine Ausbildungsbiografie, die bewusst kurze Wege scheut: Stationen wie das Gut Lärchenhof in Pulheim – ein Haus, das Präzision nicht propagiert, sondern voraussetzt. Wer dort versteht, was Weinbegleitung wirklich bedeutet, lernt nicht das Einmaleins der Sensorik. Der lernt, was Verantwortung gegenüber einem Gast bedeutet.
Was in unserem Gespräch deutlich wurde: Berboth hat diese Schule nicht absolviert, um sich zu qualifizieren. Sie hat sie absolviert, um sich zu orientieren. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
Artischockenherz mit zwei Sternen und einer Weinbegleitung, die sitzt
Das Coeur d’Artichaut am Alten Fischmarkt in Münster ist kein Haus, das sich verbiegt. Frédéric Morels Küche verbindet Bretagne mit Westfalen und kreolischen Einflüssen aus La Réunion – und Katrin Berboth begleitet diesen kulinarischen Dialog mit einer Weinkarte, die deutschen Riesling und Frankreich ins Zentrum rückt. Der Gusto attestiert ihrer Weinbegleitung eine Abstimmung auf die Aromatik der Gerichte, die in Kraft und Intensität überzeugt.
Das ist keine Fleißaufgabe. Das ist das Ergebnis aus dem Verständnis, dass Weinservice kein Anhängsel der Küche ist, sondern deren Fortsetzung in einem anderen Medium.
Wenn Wein zur Übersetzung wird
Was Katrin Berboth von vielen unterscheidet, die diesen Beruf ausüben, ist nicht das Zertifikat. Es ist die Überzeugung, dass Wein zwischen Winzer und Gast übersetzt – und dass diese Übersetzung nur gelingt, wenn man zuhört. Dem Glas. Dem Gericht. Dem Gast.
Wie das konkret aussieht – in einem Zwei-Sterne-Haus, an einem Abend, mit einem Gast, der eigentlich gar nicht weiß, was er will –, darüber sprechen wir in dieser Folge. Über Gästepsychologie ohne Manipulation. Über Trinkreife als Entscheidung, nicht als Doktrin. Über die Frage, was Sommellerie in den nächsten Jahren leisten muss, wenn sie nicht zur Kulisse werden will.
Jetzt reinhören. Mit oder ohne Glas – das entscheidest du.
Großartig, wie viele Generationen von SOMMELIERS, wir schon präsentieren durften, wie diesen Kollegen:
Ein großes Dankeschön an die ITA und das Haus Etter für die tolle Unterstützung

