
Portwein ohne seine Rebsorten? Das wäre wie ein Sketch ohne Pointe – flach und enttäuschend. Im Douro-Tal, diesem steilen, schiefrigen Paradies in Portugal, wachsen über 80 zugelassene Sorten, doch die eigentlichen Stars sind eine Handvoll einheimischer Helden, die den Zauber des fortifizierten Weins erst möglich machen. Diese autochthonen Reben, perfekt angepasst an das heiße, trockene Klima und die extremen Terrassenböden, liefern die Trauben, die durch Mostgärung, Fortifikation mit Aguardente und lange Reifung zu jenem süßen, kraftvollen Wein werden, den wir als Port kennen und lieben. Die roten Sorten prägen den klassischen Port, die weißen den frischen White Port – gemeinsam sorgen sie für die charakteristische Balance aus Frucht, Tanninen und Säure. Mit einem Augenzwinkern gesagt: Jede Rebsorte ist Teil eines Ensembles, in dem jeder seinen Part exakt beherrscht.
Bei den roten Rebsorten thront Touriga Nacional als unumstrittene Königin – ertragsarm, aber aromatisch explosiv, mit dunklen Beeren, Veilchen und würziger Tiefe. Sie verleiht dem Port Struktur und Langlebigkeit und ist damit ideal für Vintage-Stile, bei denen hohe Polyphenol- und Anthocyangehalte für intensive Farbe und enormes Alterungspotenzial sorgen. Touriga Franca, die meistangebaute Sorte im Douro, bringt weicheren, fruchtbetonten Charme mit Himbeere und Rose und sorgt in Cuvées für Eleganz und Ausgewogenheit. Tinta Roriz, international als Tempranillo bekannt, steuert Kraft und Tannin bei, mit Aromen von Kirsche und Pflaume, und bildet das Rückgrat vieler robuster Ports. Tinta Barroca sorgt für Süße und Geschmeidigkeit mit Noten von Trockenfrüchten, reift früh und mildert die Strenge anderer Sorten ab. Tinto Cão bringt Frische, Säure und Widerstandskraft gegen Trockenheit ein, während Tinta Amarela mit Kräuter- und Trüffelnoten zusätzliche Komplexität liefert.
Für White Port kommen die weißen Rebsorten ins Spiel: Malvasia Fina führt mit floralen und fruchtigen Noten von Apfel und Honig und eignet sich für trockene wie süße Varianten, die bei oxidativer Reife nussige Anklänge entwickeln. Rabigato sorgt für lebendige Säure und Zitrusfrische, Gouveio für mineralische Tiefe mit Pfirsichnuancen, während Viosinho und Moscatel aromatische Eleganz und feine Süße beisteuern. Códega und Arinto runden das Profil mit Struktur und Frische ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel all dieser Sorten: Auf Schiefer- und Granitböden des UNESCO-geschützten Douro-Tals entsteht durch die gezielte Assemblage jene ikonische Komplexität, die Portwein von primärer Frucht über würzige Zwischentöne bis zu nussigen Reifearomen prägt. Auch heute, im Spannungsfeld von biodynamischem Anbau und Klimawandel, bleiben diese Reben das Fundament für Ports, die Geschichte nicht erzählen, sondern schmecken lassen.
Der erste DEEP DIVE war mit Johannes Schellhorn und dem Thema Wachau:
Die Schlumberger-Gruppe unterstützt dieses Format und macht es eigentlich erst möglich. Vielen lieben Dank.

