
Portwein, dieser ikonische fortified Wine aus dem Douro-Tal in Portugal, ist ein Meisterwerk der Weinmacherei – gestoppt in der Gärung durch Zugabe von Aguardente, einem neutralen Traubenbrand, der die Hefen killt und die Restzucker konserviert. Dadurch entsteht ein Wein mit 18-20% Alkohol, balanciert zwischen Süße, Säure und Tanninen, der in unzähligen Stilen glänzt. Jede Art hat ihren eigenen Charakter, geprägt von Rebsorten wie Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Roriz oder Tinta Barroca, die auf schiefrigen Terrassenböden wachsen. Die Appellation Douro DOC garantiert Qualität, und das Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto (IVDP) überwacht alles streng. Aber genug Theorie – lass uns die Stile durchgehen, mit all den Fachbegriffen, die einen echten Kenner ausmachen. Denk an Pastewka: Jeder Port ist wie ein Sketch, der aufbaut, puncht und nachhallt!
Zuerst der Ruby Port, der jugendliche Rebell unter den Roten. Ruby reift kurz, meist 2-3 Jahre in großen Bottichen oder Tanks aus Edelstahl, um Oxidation zu minimieren und die primären Aromen zu erhalten: Intensive Noten von roten Beeren, Kirschen, Pflaumen und einer Hauch von Lakritz, unterlegt von festen Tanninen und hohem Restzuckergehalt (oft 80-100 g/L). Er bleibt rubinrot, fruchtbetont und ist der Einstieg für Neulinge – süß, aber mit Biss. Die Premium-Variante, Ruby Reserve oder Finest Reserve, ist eine Assemblage aus selektierten Jahrgängen, die länger lagert und mehr Komplexität bietet, mit sekundären Noten wie Vanille von leichter Eichenreifung. Ruby eignet sich perfekt zu Desserts oder als Aperitif, und bei Lagerung bildet er oft Depot, daher dekantieren! In sensorischen Analysen zeigt er eine hohe Polyphenol-Konzentration, die ihm Langlebigkeit verleiht, ohne dass er oxidativ altert.
Weiter zum Tawny Port, dem gereiften Gentleman. Tawny bedeutet lohfarben, und das rührt von der kontrollierten Oxidation her: Er reift in kleineren Eichenfässern (Pipas von 550 Litern), wo er über Jahre Sauerstoff ausgesetzt ist, was die Farbe von Rot zu Bernstein wandelt. Aromen? Nussig, mit Karamell, Trockenfrüchten wie Feigen und Rosinen, plus Gewürzen wie Zimt – alles bei moderaten Tanninen und ausgewogener Säure. Tawny gibt’s in Altersstufen: 10, 20, 30 oder 40 Jahre alt, wo der Durchschnittsalter der Cuvée angegeben wird, oder als Colheita, ein Single-Vintage Tawny mit mindestens sieben Jahren Reife. Der oxidativ-reduktive Prozess sorgt für Stabilität; er braucht keine weitere Flaschenlagerung und ist trinkfertig. Stell Dir vor, Tawny ist wie ein alter Freund: Mild, erzählerisch, mit Tiefe aus der Zeit. In der Degustation dominiert die Rancio-Note, diese nussige Oxidation, die ihn von trockenen Sherrys abhebt.
Nun der König: Vintage Port, der Star für Sammler. Nur in außergewöhnlichen Jahren deklariert (ca. 3 pro Dekade), reift er 2-3 Jahre in Fässern, dann Jahrzehnte in der Flasche – reduktiv, ohne Oxidation. Jung ist er tiefviolett, tanninlastig und fruchtintensiv (schwarze Früchte, Schokolade, Pfeffer), mit enormem Alterungspotenzial: 20-50 Jahre, wo er zu einem komplexen Bouquet evolviert, mit tertiären Aromen wie Leder und Tabak. Vintage muss dekantiert werden, um Sedimente (Crust) zu entfernen, und entfaltet sich stundenlang. Fachlich: Hohe Extraktwerte, starke Struktur durch Polyphenole, und die Deklaration erfolgt nach IVDP-Prüfung. Ähnlich, aber rarer: Single Quinta Vintage aus einem Weingut, oder Late Bottled Vintage (LBV), der 4-6 Jahre in Fässern reift und filtrated oder unfiltered kommt – letzterer mit mehr Potenzial, aber praktischer.
Nicht zu vergessen White Port und Rosé Port. White entsteht aus weißen Reben wie Malvasia Fina oder Rabigato, fermentiert ähnlich, mit Stilen von trocken (Seco) bis süß (Lágrima), oft aperitifartig mit Zitrus- und Blumennoten. Rosé, der Newcomer, ist frisch, beerig und leicht oxidiert. Und dann Crusted Port, eine Mischung aus Jahrgängen, die in der Flasche crust bildet.
Zusammenfassend: Jede Art reflektiert das Terroir des Douro – schiefrig, heiß, mit Mikroklimata – und die Kunst der Assemblage. Portwein ist unvergleichbar durch seine Fortifikation, die ihn haltbar und vielschichtig macht. Ob Ruby für den Alltag, Tawny für den Feierabend oder Vintage für den Safe – er fordert Respekt und belohnt mit Genuss. In der Weinwelt steht er für Tradition, doch mit moderner Twist wie biodynamischen Anbau.
Und im DEEP DIVE geht es noch tiefgründiger, so wie in den anderen Folgen, wie dieser hier mit Florian Richter und dem Thema Kalifornien:
Ein großes Dankeschön an die Schlumberger-Gruppe, dank deren tolle Unterstützung wir dieses Format realisieren.

