
Morgen erscheint eine Episode, die nach Präzision klingt. Nach einem Blick, der schon unzählige Gläser gesehen hat – und dabei nie vergessen hat, dass am Ende immer ein Mensch vor einem sitzt. Mein Gast ist Kai Schattner, Sommelier, Weinberater, Moderator – und für viele eine dieser Figuren, die man in der deutschen Weinwelt nicht „mitbekommt“, sondern irgendwann bewusst sucht. Weil er selten über Wein redet, ohne gleichzeitig über Gastgebersein zu sprechen. Und weil er in einer Zeit der schnellen Effekte etwas pflegt, das fast altmodisch wirkt: Stil.
Viele kennen ihn aus seiner Zeit als Chefsommelier im legendären Restaurant „Ente“ im Nassauer Hof in Wiesbaden – einem Haus, in dem Wein nicht Dekoration ist, sondern Verantwortung. In Porträts und Festivaltexten wird immer wieder betont, dass Schattner den großen Ruf dieses Weinkellers über Jahre maßgeblich geprägt hat: als jemand, der nicht nur empfehlen kann, sondern führen – durch ein Menü, durch einen Abend, durch das, was zwischen Küche und Gast passiert, wenn es wirklich gut wird.
Und genau deshalb ist diese Folge so spannend. Denn sie beginnt nicht bei Etiketten, sondern bei der Frage: Was ist guter Weinservice heute überhaupt noch? Schattner ist kein Sommelier, der Wissen wie eine Trophäe vor sich herträgt. In einem älteren Interviewformat wird er beschrieben als jemand, der „punktgenau“ argumentiert, nicht prahlt und lieber mit präzisen Statements überzeugt. Dieses Profil zieht sich durch das Gespräch wie ein roter Faden: Wein nicht als Fachsimpelei – sondern als Angebot.
Nach der „Ente“-Zeit hat sich Schattner weiterentwickelt: vom reinen Restaurant-Sommelier hin zur Berater- und Moderatorrolle. Er hält Seminare, berät Unternehmen, tritt als Weinmoderator bei Veranstaltungen auf – und ist längst eine Stimme, die Weinkultur übersetzen kann, ohne sie zu verwässern. Genau diese Fähigkeit braucht die Branche gerade: Menschen, die erklären können, ohne zu belehren. Die verbinden können, ohne sich selbst ins Zentrum zu stellen.
In der Episode sprechen wir auch über das Thema, das viele unterschätzen, obwohl es am Tisch jeden Abend entscheidet: Gästepsychologie. Was meinen Menschen wirklich, wenn sie „ein Glas“ bestellen? Wollen sie Eindruck – oder Sicherheit? Wollen sie Status – oder Trost? Wollen sie etwas Neues – oder einfach nur einen Moment, der funktioniert? Schattner beobachtet diese Situationen seit Jahrzehnten. Und er zeigt, wie sehr Weinservice eigentlich eine Kunst der Menschenkenntnis ist. Nicht der Wein steht zuerst im Raum – sondern der Mensch, der ihn trinken soll.
Natürlich kommen wir auch zu seinem Herzensthema: Riesling und Reife. In verschiedenen Texten ist dokumentiert, wie sehr er den Rheingau und Riesling liebt, gleichzeitig aber auch international tief vernetzt ist – von großen französischen Rotweinen bis zu ungewöhnlicheren Weinwelten, die man als klassischer Restaurantgast kaum auf dem Schirm hat. Diese Weitsicht macht seine Aussagen so wertvoll: Es ist kein enger Tunnelblick, sondern ein Blick mit Horizont.
Und am Ende steht eine Perspektive, die mir besonders wichtig ist: die Zukunft der Sommellerie. Weniger Show, mehr Beziehung. Weniger Buzzwords, mehr echte Begegnung. Kai Schattner verkörpert genau das – mit Ruhe, Humor, Erfahrung und einer Klarheit, die nie laut sein muss.
Morgen ist Release. Und wenn Du Wein liebst – nicht nur als Getränk, sondern als Kulturtechnik des Abends –, dann wirst Du diese Folge nicht nur hören, sondern mitnehmen.
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